Geschichte Schützenverein Kamen

Das Bürger-Schützen-Corps 1820 – 1871
Die alte Kamener Schützengilde war 1806 untergegangen. Nachdem Napoleon besiegt war, greift man die alten Schützentraditionen vielerorts wieder auf. Auch die Behörden fördern diese Bestrebungen. So unterstützt der Oberpräsident der preußischen Provinz Westfalen, Vincke, in einem Erlaß über den Gebrauch der Gewehre bei Scheiben- und Vogelschießen vom 27. August 1816 die Wiederbelebung des alten Brauchtums ausdrücklich und fordert sogar seine untergebenen Behörden auf, die Schützenkönige namhaft zu machen.


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Regimentslied des Schützenvereins Kamen von 1820 e.V.
Melodie: „In einem Polenstädchen“

1.) Die Ses´ke fließt durch Kamen,
einen schiefen Turm wir haben
und ein Auto-Kreuz.
:: Seit 1820 schon
besteht das Schützenbataillon,
die Schützenschar vereint im Regiment. ::

2.) Der Oberst kommandieret,
das Regiment marschieret
im gleichen Schritt.
:: Der Oberst vor der Fahne geht,
die stolz im Winde weht,
und treue folget ihr das Regiment. ::

3.) Die grünen Röcke sitzen,
die weißen Hosen blitzen
der Heide zu.
:: Wenn dann die Büchse laut erschallt,
der Vogel von der Stange knallt,
die Majestät, der König lebe hoch. ::

4.) Auch sportlich Glück wir fühlen,
wenn Treffer wir erzielen
in`s Schwarz und Gold.
:: Wir kämpfen immer gut und fair,
das ist ja uns´re Schützenehr´ ,
Freunde sein bei Sport und Spiel
ist unser Ziel. ::

5.) Drum Schützen halt´t die Treue
von Jahr zu Jahr auf´s Neue
uns´rer Tradition.
:: Wir wollen Schützenbrüder (-schwestern) sein,
uns an Sport und Fest erfreu´n,
die Schützenschar vereint im Regiment. ::

Regimentslied neu

Vorbemerkung des Verfassers (Dezember 2013):

Die letzte Bearbeitung erfolgte im Dezember 2013. Die Ergänzungen und Überarbeitungen seit August 2011 für die Jahre ab 1823 bis 1914 sind in Kursivschrift gesetzt. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um biographische Daten (z.B. Lebensdaten, Herkunft und Beruf) der im Text erwähnten Personen. Diese sollen damit aus ihrer teilweisen Halbanonymität geführt werden und dazu beitragen, den Schützenverein stärker in die Kamener Geschichte zu verankern und zu verorten.

Wolfgang Freese

  1. Das Bürger-Schützen-Corps 1820 -1871

Die alte Kamener Schützengilde war 1806 untergegangen. Nachdem Napoleon besiegt war, greift man die alten Schützentraditionen vielerorts wieder auf. Auch die Behörden fördern diese Bestrebungen. So unterstützt der Oberpräsident der preußischen Provinz Westfalen, Vincke, in einem Erlaß über den Gebrauch der Gewehre bei Scheiben-und Vogelschießen vom 27. August 1816 die Wiederbelebung des alten Brauchtums ausdrücklich und fordert sogar seine untergebenen Behörden auf, die Schützenkönige namhaft zu machen.

1820      So kommt es in diesem Jahr auch in Kamen zur Bildung eines Bürger-Schützen-Corps, das bewußt auf die alten Bräuche zurückgreift, sich als Nachfolger der alten Gilde versteht und besonders das Feiern des Schützenfestes mit dem althergebrachten Schießen pflegen will. Weder über die Gründung, die Gründer noch die erste Satzung ist jedoch Näheres bekannt.

Die einzigen noch erhaltenen Dokumente aus dem Gründungsjahr sind der Vorlegelöffel des ersten Schützenkönigs Carl Koepe und ein Schreiben des derzeitigen Obersts Julius Ohswaldt an den Kamener Bürgermeister Weber vom 4. Okt. 1820. In diesem Schreiben, bei dem es um die Wahrung alter Rechte an den Übungsplätzen bei der Teilung der Reck-Camenschen Heide geht, teilt Ohswaldt einige interessante Details zum Kamener Schützenwesen mit. Danach bestanden „nach der ältesten Einrichtung“ 2 Abteilungen (Compagnien), eine für die verheirateten Bürger, eine für die Junggesellen. Jede Abteilung veranstaltete jährlich eine öffentliche Übung im Scheibenschießen und besaß in der Feldmark nahe der Stadtgrenze einen eigenen Übungsplatz. Der der verheirateten Männer lag auf der „Bohnenkochs-Heide“, der der Junggesellen auf der „Linkamps Heide“. Letzteres Grundstück bildet die heutige Schützenheide auf Bergkamener Gebiet und ist noch heute im Vereinsbesitz.

Noch ein Wort zu den beiden wichtigsten Männern des Gründungsjahres. Julius Ohswaldt (1793-1852) war Wundarzt und Geburtshelfer. Im Jahre 1822 wurde er zum Kreiswundarzt für den Kreis Hamm ernannt und zog 1825 auch dorthin.. Er stammte aus Culm (Westpreußen) und verfaßte eine Kurzchronik der Stadt Camen.

Carl Koepe (*1782) betrieb eine Gastwirtschaft am Ostentor und war auch Wegebaumeister. Er starb im Jahr 1830.

1822      Auf Anfrage der Königlichen Regierung in Arnsberg, weitergeleitet durch den Landrat Wiethaus in Hamm, schreibt Bürgermeister Weber von Camen, daß in seinem Verwaltungsbezirk bei den stattfindenden jährlichen Scheibenschießen keine Mißbräuche (z.B. Ausartung in unmäßige schwelgerische Trinkgelage) stattfänden, fragt aber an, ob die Feste nicht von 3-4 Tagen auf einen Tag begrenzt werden können. 1823 werden Feste von 2 Tagen Dauer festgesetzt. Sehr folgsam waren die Schützen diesen Anordnungen offensichtlich nicht, denn 1842 wird von Arnsberg wieder auf die Überwachung der 2-Tage-Dauer und Einhaltung der Polizeistunde gedrungen. 1938 berichtet die Märkische Zeitung aus der Generalversammlung des Vereins über einen noch vorhandenen Schützenlöffel mit der Inschrift: „Preis des Junggesellen Schützenbataillons 1822. Karl Edelmann.“

1823      wird Wilhelm Wendel König. In diesem Jahr wird Julius Ohswaldt noch einmal in den Akten der Heideteilung genannt.

1824      Auf den 25.7. d.J. datiert ist das nächste schriftliche Dokument des Vereins. In einem Schreiben an den Teilungskommissar Rocholl (er leitete die Teilung der Reck-Camenschen Heide) erhebt das Offizierskorps der Junggesellen-Schützen-Gilde Anspruch auf deren Schützenplatz. Unterzeichner sind u.a. der Oberst Quadbeck, der Schützenkönig Heinrich Höning, der 1. Marschall Carl Grevel, der 2. Marschall Wegmann, der 1. Hauptmann Gottfried Grevel und der 2. Hauptmann Diedrich Menne.

1826 wird Giesbert Kötter König. 1828 erscheint im Hamm`schen Wochenblatt eine Anzeige vom 24. Juni, unterzeichnet „Die Mitglieder des Schützenvereins, Quadbeck, Hencke, Menne, v. Vogel“. Es wird mitgeteilt, daß am 10. und 11. Juli die hiesige

Schützengesellschaft nach der Scheibe schießt und am 2. Tage ein Ball im Zelt gegeben wird. Eintritt 15 Silbergroschen. Wer nicht am Schießen teilgenommen hat, wird auch nicht zum Ball zugelassen. Der König dieses Festes ist leider nicht bekannt.

1829      Am 30. Mai findet das Einweihungsfest für das neue, geräumige Schützenzelt statt, Eintritt 15 Sgr, eine Dame frei. „Für wohlbesetztes Orchester, beliebige Erfrischungen und Illuminationen ist bestens gesorgt.“ (Anzeige im Hamm`schen Wochenblatt).

Für dieses Jahr ist als König Heinrich Brutkuhl von der Oststraße überliefert, obwohl keine Zeitungsanzeige auf ein Schützenfest hinweist.Schützencorps unter seinem Kommandeur H. Reinhardt.

1850      wird nach 4jähriger Pause wieder Schützenfest gefeiert. Festwirt ist Wilhelm Grevel. Zu Königsehren gelangt Gottfried Brumberg. Erster Marschall wird Wilh. Rumpf von der Viehstraße.

1851      findet wieder ein Schützenfest statt. Der neue König heißt Gerhard Dennighoff. Seine noch vorhandene schöne Königsplakette mit großem Kamener Wappen nennt ihn „König des Junggesellen-Schützen-Corps.“

1852      In der Ausgabe vom 14. April erscheint im Hellweger Anzeiger und Boten eine Bekanntmachung des Bürgermeisters von Basse: „In der Camer Heyde auf dem Schützenplatze werden am 19., 20. und 21. d. Mts. Schießübungen vorgenommen, welche vormittags 8 Uhr anfangen und bis Mittag dauern werden.“ Welcher Zweck oder Anlaß vorgelegen hat, ist leider nicht bekannt. Infrage kämen das Militär oder Jäger.

1853      wird das Fest vom 7. -9. Juli veranstaltet. „König des Junggesellen-Schützen-Corps“ wird Carl Friedrichs aus der Kirchstraße. Es spielen Kapellen aus Menden und Hagen auf.

1856/57   1856 findet eine Statutenänderung statt, über deren Inhalt nichts Näheres mehr bekannt ist. Schützenfest ist im Juli 1856 unter Mitwirkung der Regimentsmusik des Königl. 8. Husarenregimentes. Es wird im Protokollbuch aber kein König genannt. Im Juli 1857 feiert man auf Vorstandsbeschluß ein Erinnerungsfest. Das Protokollbuch verzeichnet für dieses Jahr Samuel Ney wieder als König. Beim Erinnerungsfest spielt die Kapelle Giesenkirchen aus Dortmund, die noch manches Mal in den kommenden Jahren engagiert wird. Ab 1857 sind die Vorstandsprotokolle noch vorhanden (bis 1871).

1860      Im Frühjahr finden Offizierswahlen statt. Zum Hauptmann der verheirateten Bürger wird Wilhelm Ostermann, zum Hauptmann der Junggesellen Carl Lange gewählt. Erstmals erscheint im Hellweger Anzeiger und Boten eine ausführliche Festanzeige, in der auch vom Festumzug die Rede ist. Auch auswärtige Schützen sind eingeladen. Der Goldschmied Hegmann wird vom Vorstand beauftragt, die Prämien für das Königspaar anzufertigen, für den König einen silbernen Vorlegelöffel und einen Stern, für die Königin ein Medaillon. Der Stern befindet sich noch heute in Privatbesitz. (Goldschmied Ferdinand Hegmann, 1820-1897, gebürtig aus Wiesbaden)

Das Schützenfest findet vom 30. Juni bis 2. Juli statt. Der Königsschuß gelingt dem Wirt Johann Gottfried Koepe

(1817 – 1899). Im September bei den Vorstandswahlen wird Joh. Gottfried Koepe (der Schützenkönig) zum Dirigenten (Vorsitzenden) und Heinrich Lange (1809-1886) zum Rendanten (Kassenwart) gewählt. J.G. Koepe löst den bisherigen Vorsitzenden Julius Bleckmann (1817 – 1877) ab. Der Vorstand verleiht das Schützenzelt an den Wirt Wilh. Grevel für ein Fest des landwirtschaftlichen Vereins.

1861      Feier des Schützenfestes vom 22. bis 24. Juni im Garten des Wirts Wilhelm Grevel, der auch Festwirt ist. Ursprünglich sollte bereits am 21. Juni gefeiert werden, das wird von Bürgermeister Julius von Basse, gleichzeitig Oberst, aber nicht genehmigt. Für das Fest wird Moritz Heitmann als Tambourmajor und Carl Borgmann als Schellbaumträger verpflichtet. Die Königswürde erringt Heinrich Bäcker.

Zum neuen Hauptmann der verheirateten Bürger (2. Compagnie) wird Friedr. Wilh. Menne bestimmt. Da der Präses gleichzeitig noch als König amtiert, wählt der Vorstand für den ersten Festtag bis zum Vogelschuß extra Carl Wegmann als stellvertretenden Präses.

In diesem Jahr werden in Gotha der Deutsche und in Bielefeld der Westfälische Schützenbund gegründet.

1865      Zum diesjährigen Fest ist das Schützenzelt zu renovieren. Das Holz liefert der Holzhändler Gottfried Mertin, die Arbeiten führt der Zimmermeister Wilh. Starke sen. durch. Der Oberst verpflichtet die Kapelle Giesenkirchen zum Preis von 160 Talern. Die Prämien fertigt wieder Goldschmied Ferdinand Hegmann. Vor dem Fest finden noch Offizierswahlen statt, neuer Hauptmann der 2. Compagnie wird Jacob Brombach. Jede Compagnie hat noch die Stellen des Adjutanten, des Fahnenträgers und des Feldwebels zu besetzen. Als neuer Rendant tritt Carl Lange an. Der Rendant ist zu der Zeit kein vollwertiges Mitglied im Vorstand, seine Unterschrift fehlt unter den Vorstandsprotokollen. Der Schützenkönig von 1861 ist inzwischen verstorben, so daß Präses Johann Gottfr. Koepe als König von 1860 bis zum Königsschuß die Regentschaft übernimmt. So kommt als stellvertretender Präses Carl Wegmann für 1 Tag wieder zu Ehren. Bemerkenswert ist, daß bis dato 2

Kammerherren den König freizuhalten haben. Der Vorstand erhöht ihnen den Zuschuß aus der Vereinskasse von 12 auf 20 Taler. Zu diesem Fest werden erstmals 4 Kammerherren und 4 Hofdamen ernannt, bisher je 2.

Das Fest wird vom 24. -26. Juni gefeiert. Der neue König heißt Ludwig Koepe (1812-1895, Sohn von Carl Koepe, dem ersten König von 1820)

1866      beauftragt der Vorstand den Maler Christian Zucchi (1811-1889) für 20 Taler mit der Ausgestaltung eines neuen Transparentes für das Festzelt. Christian Zucchi stammte aus Mainz, heiratete die Kamener Wirtstochter Elise Grevel und zog später nach Leipzig. Er schuf das heutige große Altarbild in der evangelischen Pauluskirche und viele Gemälde, die im früheren Hotel König von Preußen zu sehen waren.

1867      findet am 3. und 4. Juli ein Fest zur Erinnerung an den Sieg der Preußen über die Oesterreicher bei Königgrätz statt. Am Abend des 2. Juli eröffnen Großer Zapfenstreich und Böllerschießen das Fest. Am 3. Juli zieht ein großer Festzug durch die Stadt und auf dem Markt wird eine große Polonaise aufgeführt. Der 4. Juli gehört dem Tanzvergnügen.

1868      Dieses Jahr ist ein Jahr der personellen Veränderungen in der Vereinsführung. Präses wird der bisherige Rendant Carl Lange, als Rendant löst ihn Jacob Brombach (1831-1901, stammte aus dem Siegerland) ab. Zur Unterstützung des Obersts und späteren Königs Julius von Basse richtet der Vorstand eine Majorsstelle ein, die der Oeconom Wilh. Reinhard (1828-1896) übernimmt. Dann laufen die Festvorbereitungen an. Als Tambourmajor wird der Schuster Carl Borgmann mit einem Gehalt von 3 Talern und freiem Eintritt verpflichtet, den Schellbaum trägt der Schuster Hermann Mannefeld für 2 Taler und freien Eintritt.

Eine einzigartige Ehre wird dem langjährigen Adjutanten Wilhelm Schmidt zuteil, der inoffiziell auf den Festen als Zeremonienmeister amtiert. Der Oberst ernennt ihn zum Rittmeister. Das Reiten ist in dieser Zeit für Adjutanten unerläßlich. Goldschmied Ferdinand Hegmann fertigt wieder die Prämien. Bei diesem Fest spart man bei den Kammerherren, es werden nur 2 ernannt und mit 12 Talern ausgestattet statt mit bisher 20.

Dieses Jahr geht als besonders denkwürdiges in die Vereinsgeschichte ein. Der Bürgermeister und Oberst Julius von Basse wird beim Fest vom 27. -29. Juni Schützenkönig. Frau Caroline Friedrichs ist seine Königin, die erste, deren Namen wir noch kennen. Ein Foto der Festgesellschaft auf dem Markt erinnert daran.

1869      Präses wird Wilhelm Felting (1840-1897), schon nach kurzer Zeit amtiert jedoch wieder Carl Lange. Das Schützenzelt leiht man zum Schützenfest in Husen und Courl für 65 Taler an den dortigen Verein aus. Mit dem Wirt Wilhelm Reinhard wird ein Vertrag über die Errichtung eines Zeltbehälters abgeschlossen. Auch in der kommenden Zeit ist, ebenso wie in den zurückliegenden Jahren, immer wieder von der Verpachtung des Zeltes die Rede.

1870      Der Vorstand führt Ergänzungswahlen durch. Es präsidiert nun Wilhelm Fluhme. Erstmalig wird ein Schriftführer bestimmt, nämlich Wilh. Felting. Dieser und der Rendant erhalten für die Zukunft Stimmberechtigung im Vorstand. Zum neuen Hauptmann der 1. Compagnie wählt man Carl Fluhme. Clemens Grevel lehnt ohne ausreichenden Grund die Wahl zum Fahnenoffizier der 1. Compagnie ab und wird dafür vom Vorstand für „2 Schießjahre“ mit Ausschluß von den Festlichkeiten bestraft.

1870 ist das Jahr des 50jährigen Jubiläums. Das soll mit einem besonderen Schützenfest vom 29. Juni bis

zum 3. Juli begangen werden. Umfangreiche Vorbereitungen sind zu treffen und besondere Posten zu vergeben. Schellbaumträger wird der Schuster Frakmann, der dieses Amt schon auf dem Gründungsfest 1820 versehen hat. Tambourmajor ist wieder der Schuster Borgmann. Außerdem beschließt der Vorstand, den Vogel für 3 Taler bei dem Drechsler Wilh. Wendel anfertigen zu lassen. Der Präses sorgt auch dafür, daß der Goldschmied Hegmann wieder die Königsprämien herstellt und daß für 2 Kammerherren blauseidene Schärpen angefertigt werden. Das Festzelt wird von den Brüdern Wilh. und Gustav Starke aufgebaut. Dafür erhalten sie 30 Taler. In den Festvorbereitungen ist auch erstmals davon die Rede, die Stadt durch grüne Büsche und Laub auszuschmücken.

Die Restauration auf dem Festplatz in der Stadt übernimmt L. Kümper, die Festmusik die Kapelle Herzog. Herzog bekommt dafür 185 Taler. Diese Kapelle fehlt in den kommenden Jahren fast auf keinem Schützenfest in Kamen. Der erste Auftritt war 1860, der letzte 1934.

Aus dem Festprogramm: Am ersten Festtag transportiert man den Vogel in die Schützenheide. Am Abend erklingt, wahrscheinlich zum erstenmal beim Kamener Schützenfest, der Große Zapfenstreich, anschließend Böllerschießen. Um 4.00 Uhr am nächsten Morgen ist bereits Wecken angesagt. Um 6.00 Uhr werden alle noch lebenden Schützenkönige zu einer großen Königsparade abgeholt. Danach geht es zur Schützenheide zum Königsschießen. Während des

Schießens finden Konzert und Volksbelustigung statt. Der Abend sieht dann die Krönung des neuen Königspaares vor. Am folgenden Tag holt ein Festzug das Königspaar zur Polonaise auf dem Marktplatz ab. Es folgt der Festball.

Wegen der Feier des Sieges von Königgrätz wird am nächsten Tag nach einem Konzert nochmals der Große Zapfenstreich aufgeführt, dazu wieder Kanonendonner. Der letzte Tag, Sonntag der 3. Juli, sieht eine große Parade, danach einen großen Festumzug, wieder eine Polonaise und einen Festball zum Abschluß vor.

Die Jubiläumskönigswürde erringt der Wirt. Joh. Friedr. Biermann vom Markt. Die Königinnen dieses und der folgenden Feste sind leider nicht bekannt.

1871      Im August veranstaltet ein Festcomiteé ein patriotisches „Sieges-und Friedensfest“ zur Gründung des Deutschen Reiches und leiht dazu das Schützenzelt aus. Im Comiteé sitzen führende Schützen. Es verstärken sich die Bestrebungen, einen ständig bestehenden Schützen-Verein zu gründen. Bislang gab es im Grunde nur den Vorstand, der die Feste organisierte und sich durch Nachwahl routinemäßig ergänzte. Er bestand aus dem Präses, dem Oberst und Deputierten (Beisitzern). Der Vorstand wählte (vielleicht seit 1856?) auch die Offiziere. Bürger und Bürgersöhne waren Vereinsmitglieder, zahlten ein einmaliges Einschreibegeld sowie einen vom Vorstand für jedes Fest festgelegten Festbeitrag und waren verpflichtet, alle Veranstaltungen, wie Übungen, Märsche etc. mitzumachen. Mitgliederversammlungen, somit Wahlen durch die Mitglieder, gab es nicht.

Der Vorstand bildet nun eine Kommission, die die Statuten entsprechend den veränderten Gegebenheiten überarbeiten und ergänzen soll. Der Kommission gehören an: Jul. v. Basse, Wilh. Felting, Carl Lange, Wilh. Fluhme, Jacob Brombach, Friedr. Flor, Wilh. Reinhard, Joh. Friedr. Biermann und Friedr. Müller. Hiermit schließt das erste Protokollbuch des Vereins.

  1. Der Bürger-Schützen-Verein 1872 – 1914

Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 beginnt eine Entwicklung zum patriotischen kaisertreuen Bürgertum, die später, insbesondere unter Wilhelm II., einen starken Vorrang alles Militärischen im öffentlichen Leben mit sich bringt. Die Bürger-Schützen waren und sind durchweg königstreu-preußisch und jetzt auch kaisertreu-deutsch eingestellt und übertragen diese Tendenzen auch in den Schützenverein, zumal damit die Grundstimmung in weiten Kreisen der Bevölkerung getroffen wird. Bemerkenswert bleibt dagegen, daß in der neuen Satzung starke demokratische Elemente verankert werden, bemerkenswert besonders die Wahl der Offiziere durch die Generalversammlung.

Mit der neuen Satzung ist der Grund für eine positive Entwicklung des Vereins gelegt, die sich aber erst Bahn bricht, als 1883 durch junge, begeisterte Schützen eine Reorganisation des Schützenregimentes und dadurch eine Erhöhung der Attraktivität gleichsam durch eine kleine Revolte erzwungen wird.

In den folgenden Jahren bis 1914 erlebt der Verein seine Blütezeit. Das Schützenfest bleibt das überragende gesellschaftliche Ereignis in Kamen.

1872 In einer Bürgerversammlung im Schützenhof bei Reinhard am 18. Februar wird die neue Satzung angenommen. Der Vereinsname lautet nun „Bürger-Schützen-Verein“. Der Schützenhof ist zukünftig Vereinslokal. Das abwechselnde Königsschießen der Junggesellen und der verheirateten Bürger wird aufgegeben. Die Feier des Schützenfestes soll jährlich stattfinden und nur durch besonderen Beschluß des Vorstandes unter Zuziehung der Offiziere ausgesetzt werden können. Die Feier selbst geht nach einem besonderen Reglement vor sich. Zunächst ist auch die Bildung eines Hofstaates nicht vorgesehen, um dem König größere Unkosten zu ersparen. Diese Bestimmungen haben aber nicht lange Bestand. Der Verein hat nun etwa 350 Mitglieder. Leider sind aus der Folgezeit bis nach dem 2. Weltkrieg alle Protokollbücher verschollen, so daß die Vereinsgeschichte im wesentlichen aus Zeitungsberichten rekonstruiert werden muß.

Wilhelm Ostermann wird Major und damit Stellvertreter des Obersts.

Das Schützenfest des Jahres findet vom 13. -15. Juli auf dem Reinhardschen Hofe statt. König wird der Konditor Carl Fischer. Am 2. September (Sedanstag) beteiligen sich die Schützen an der Einweihung des Ehrendenkmals auf dem

Marktplatz. 1873 annonciert der Verein im Hellweger Anzeiger, daß sich beim Schatzmeister, Kaufmann Gerhard Gerdts (1831­1891), neue Mitglieder melden können. Das Königsschießen findet im Juli wieder auf dem Reinhardschen Hof statt, übrigens auch in den folgenden Festjahren. Der glückliche Schütze ist der Schuhmacher Friedrich Dellwig. In diesem Jahr wird Gustav Kolbe zum Major und Wilhelm Ebbinghaus zum Hauptmann befördert. Ein Schießverein als Vorläufer der Sportschützengruppe wird gegründet, stellt seine Arbeit nach wenigen Jahren aber wieder ein.

1874 Am 3. Mai werden von der Generalversammlung statutengemäß die 12 Offiziere gewählt. Das Eintrittsalter in den Verein ist seit der letzten Generalversammlung von 20 auf 17 Jahre gesenkt worden. Zum 14. Juni wird die 1. Compagnie, die Compagnie der bis zu 30 Jahre alten Junggesellen, zur Vorübung für das

Fest aufgerufen. Das Schützenfest findet vom 27. -29. Juni statt. Bereits am 26. Juni wird der Vogel in die Schützenheide gebracht und am Abend der Große Zapfenstreich gespielt. Die Königswürde erringt der Schuhmachermeister Friedrich Wiegelmann (1844-1879).

Hauptmann Wilh. Ebbinghaus wird zum Major gewählt. In diesem Jahr schließen der neue Präses Louis (Ludolf) Reinhard (1839 – 1916) und der Wirt Wilhelm Reinhard einen Pachtvertrag über den Teil des Reinhardschen Hofes, auf dem der Zeltbehälter steht. Seit 1874 besteht in Kamen eine eigene Zeitung, der „Volksfreund“, in dem fortan der Bürgerschützenverein seine Mitteilungen annonciert.

1876 Die Generalversammlung legt den Jahresbeitrag auf 3 Mark fest. Zum Major wählt man C. Lubbert. Die Errichtung von Restaurationszelten, Conditorei-und Schaubuden in der Schützenheide zum diesjährigen Fest wird ausgeschrieben. Bei den Vorübungen der Junggesellen vor dem Fest herrschen strenge Bräuche. „Ein nicht pünktliches Erscheinen oder Ausbleiben ohne triftigen Grund, worüber der Vorstand und die Herren Officiere entscheiden, wird unnachsichtlich mit 1 Mark Geldstrafe und event. Ausschließung vom Feste geahndet werden.“ Vor dem Fest ruft der Schatzmeister G. Gerdts in der Zeitung zum Eintritt in den Verein auf. Die Königswürde des Festes vom 1. -3. Juli erringt der Auctions-Commissar Carl Lange. Zur Königin wählt er Frl. Jostmeier. Der Festbericht im „Volksfreund“ nennt das in „heiterster und gemüthlichster Weise“ gefeierte Fest eine Abwechslung in der Einförmigkeit des täglichen Lebens, die noch lange in Erinnerung bleiben wird.

1877 trifft den Verein und die Stadt am 3. Februar ein herber Verlust durch den Tod des langjährigen Bürgermeisters und

Obersten Julius von Basse (geb. 1818). Neuer Oberst wird Dr. med. Adolf Wiemann (1844 – 1897), neuer Major Carl Boeing, neuer Bürgermeister der Sohn des bisherigen, Adolf von Basse (1852-1918). Der Pächter des Schützenheidengeländes hat Ärger mit den Bauern: „Das Fahren und Treiben mit Vieh über den Camenser Schützenplatz wird hiermit untersagt. Zuwiderhandelnde werde ich gerichtlich zur Anzeige bringen.“ läßt

  1. Rüping, Bergcamen, durch die Presse verkünden. Auf Beschluß des Vorstandes und der Offiziere findet in diesem Jahr kein Schützenfest statt. 1878 ist wieder die Feier des Schützenfestes angesagt. Es findet vom 12. bis zum 15. Juli statt. Der Königsschuß gelingt erst nach Hindernissen. Ein „unberufener Schütze“ schießt den Rest des Vogels ab, als gerade der Major Boeing

seinen Schuß abgibt. Das Reststück wird wieder auf der Stange befestigt. Endlich gelingt dem Lederhändler Heinrich Carl Grevel (1838-1904) der Fangschuß, er wird vom Präses proklamiert und vom Oberst dekoriert. Eine Anekdote erhellt damaliges Festverständnis. Ein Feldwebel muß einen einstündigen Arrest verbüßen, weil er zu

spät zum Dienst gekommen ist. Dabei wird er von mitleidigen Schützen so gut unterhalten, daß er „geneigt (ist),

noch freiwillig ½ Stunde im Arrest zu bleiben.“ Da wird ihm wohl manches Glas flüssiger Nahrung gereicht worden

sein. 1880 Metzgermeister Wilhelm Ebbinghaus (geb. 1831 in Sölde) wird Oberst, legt das Amt aus persönlichen Gründen

bereits 1882 wieder nieder. Es wird ein Schützenerinnerungsfest gefeiert. 1883 Weil nach 5jähriger Pause der Vorstand wieder nicht die Feier eines Schützenfestes beschließen will, kommt es zu

Unruhen unter den Mitgliedern. Es wird eine Bürgerversammlung zum 28. Juni in den Schützenhof einberufen,

deren Vorsitz Wilhelm Ebbinghaus übernimmt.

Man beschließt die Gründung eines eigenen Vereins, der „Schützenbund“ heißt und wählt Vorstand und

Offizierskorps. Präses wird H. Arnold, Oberst Wilhelm Ebbinghaus. Auch ein Schützenfestdatum wird festgelegt.

Diese Ereignisse machen den Vorstand des Bürger-Schützen-Vereins mobil. Innerhalb weniger Tage kommt es

durch die Vermittlung des Bürgermeisters Adolf von Basse zu einer Einigung. Bereits am 12. Juli vereinigen sich

beide Vorstände, beschließen eine Statutenänderung und legen für den 4. und 5. August die Feier eines

Schützenfestes fest.

Als gravierende Neuerung wird ein Regiment mit 4 Compagnien statt bisher eines Bataillons mit zwei Compagnien gebildet. Die Einteilung nach verheirateten Bürgern und Junggesellen entfällt. Stattdessen wird das Stadtgebiet in 4 Compagniebezirke eingeteilt: den Nordosten erhält die 1. Compagnie, den Nordwesten die 2., den Südwesten die

  1. und den Südosten die 4. Compagnie. Es werden 2 Bataillone gebildet, die von Majoren geführt werden. Die Schützen erhalten eine einheitliche Kopfbedeckung (Mütze) mit Schützenband, die die Herren Kosanetzki und

Seck für 75 Pfg/Stück anfertigen. Am 26. Juli feiern die Compagnien ihren Appell zur Vorbereitung des Schützenfestes. Der 29. Juli sieht den Ausmarsch des Schützenregimentes zum Exerzieren in die Schützenheide. Zum Fest wird das Liefern und Laden der Büchsen für das Vogelschießen meistbietend versteigert. Das geschieht auch zu den folgenden Festen. Das Schützenfest selbst findet in der Lokalpresse einen großen Widerhall. Auch die in diesem Jahr neu erscheinende 2. Kamener Zeitung, die „Märkische Zeitung“, berichtet ausführlich.

Die Anzeigen in der Märkischen Zeitung bringen den Verein noch in Schwierigkeiten. Schützenfeste durften damals nur an 2 Tagen, ohne Vor-und Nachfeier, stattfinden. Der Landrat in Hamm verlangt vom Bürgermeister v. Basse die Durchsetzung dieser Bestimmung, weil der Verein am Vortag das Fest mit Kanonendonner ankündigen und den Vogel in die Heide bringen will. Der Verein muß etwas zurückstecken, der Kanonendonner findet erst vor dem Zapfenstreich statt, und der Vogel wird von einer Abordnung in die Heide gebracht. Für diese gibt es allerdings dann einen Löhnungsappell. In der Zukunft wird der Vogel stets am Samstag mit zur Schützenheide geführt. Seitdem findet am Abend des Vogelschießens ein Ball im Schützenzelt statt. Um den 3. Tag nicht ganz zu verlieren, veranstaltet der Vereinswirt ein Konzert, was in späteren Jahren in die Schützenheide verlegt wird.

Der Vogel, den der Zimmermeister Koepe aus dem Wurzelholz eines Apfelbaums gefertigt hat, erweist sich als sehr haltbar. Schließlich ist der Seilermeister Johannes Overmann aus der Kirchstraße der Königsschütze. Er wählt Frl. Marie Syberberg (1860-1918), zur Königin. Sie wird 1910 nochmals Königin!. Der König erhält zum Andenken einen silbernen Stern, statt des silbernen Vorlegelöffels jedoch die Geldsumme von 100 Mark. Jeder der drei besten Schützen bekommt eine silberne Medaille.

Ab jetzt kennen wir alle Königinnen mit Namen. Auch der Hofstaat wird nun wieder eingeführt und bleibt fortan feste Einrichtung. Nach dem Vogelschießen findet eine Polonaise mit ca. 300, am nächsten Tag nach dem Festzug eine Polonaise mit ca. 400 Paaren statt. Daran ist ersichtlich, daß die Neuorganisation dem Verein neues Leben eingehaucht hat. Auch das Fest 1883 klingt schon mit einer gemütlichen Zusammenkunft der Compagnien am 12. August aus.

Nach dem Fest findet die Neuorganisation mit der Genehmigung der geänderten Satzung und Wahl der Führungsmannschaft ihren Abschluß. Die Führungspositionen nehmen folgende Herren ein:

Rendant wird W. Behrens, Schriftführer Fritz Flor. Übrigens: Noch während des Festes ernennt die neue Schützenmajestät den Oberst Wilhelm Ebbinghaus wegen seiner besonderen Verdienste und seiner bewährten Führung zum General-Major, ein einmaliger Titel in der

Vereinsgeschichte! Diese Auszeichnung macht noch einmal deutlich, wer der führende Kopf in diesem Umbruchsjahr ist. Bis 1883 lagert das Zeltleinen bei Kaufmann Gerhard Gerdts, nun wird beim Vereinswirt Wilh. Reinhard ein Zimmer

dafür angemietet.

1885 Nach dem Tode von Kaufmann E. Syberberg (geb. 1854) wird Kaufmann Emil Gerdts (1859-1938) zum neuen Hauptmann der 1. Kompanie gewählt. Der Vorstand beschließt die Anschaffung einer neuen Fahne und legt die Kompaniebezirke fest. Vor dem Fest führen die berittenen Offiziere, der Regimentskommandeur mit seinen Stabsoffizieren und die Adjutanten besondere Reitübungen durch.

Eine Neuerung wird für das Vogelschießen eingeführt: der Schützenkönig erhält einen silbernen Stern; die Schützen, die Krone, Zepter und Reichsapfel schießen, bekommen eine silberne Medaille. Die neue Fahne wird von Frauen aus der Bürgerschaft eigenhändig gestickt und dem Verein zum Geschenk gemacht, genauso wie es schon 1820 geschehen ist. Am Tage des Vogelschießens, dem 18. Juli, übergibt sie Frl. Auguste Pröbsting (1865­1926) mit einem Gedicht.

Nach den obligatorischen Ausmärschen zum Exerzieren und den Appellen der Kompanien mit Gewehrappell, Befehlsempfang und Bierproben findet vom 17. -19. Juli das Schützenfest statt. König wird Klempnermeister Gustav Dunkel (1861-1927), zur Königin wählt er Frl. Laura Syberberg.

Seit diesem Fest sind die Schützen von Krone, Zepter und Reichsapfel bekannt. Kronprinz wird der Schütze Hahn, Gerichtsvollzieher Heinrich Harbach (1853 Nordbögge,-1922) erringt den Reichsapfel, Schuhmacher Wilhelm Sommer das Zepter.

Der König Gustav I. ernennt Herrn H. Ebbinghaus zu seinem persönlichen Adjutanten. Die von ca. 400 Paaren gebildete Polonaise wird vom Bürgermeister Adolf v. Basse angeführt. Das Fest muß wirklich intensiv gefeiert worden sein, denn der Bürgermeister ruft über die Presse die Bürger auf, die durch das Schützenfest entstandenen Schäden an Bürgersteigen und Straßenpflaster auszubessern.

1886 Der Vorstand beschließt, vorbehaltlich der Genehmigung durch die Stadt, die Schützenheide mit Ulmen zu bepflanzen. Dazu schließt L. Reinhard mit dem Gärtner G. Bruns einen Vertrag über die Anpflanzung von 50 Ulmen.

1887 Die Herren W. Reinhard und Fr. Flor (1843-1923) schließen einen Vertrag über die Aufbewahrung des Schützenzeltes und Nutzung des Reinhard`schen Hofes für die Schützenfeste. Reinhard erhält jährlich 15 Mk an Pacht und übernimmt die Restauration bei den Festen.

Die Vorübungen und Appelle verlaufen wie 1885. Das Fest vom 15. -17. Juli sieht den Gastwirt Carl Hedtfeld (1840 Breckerfeld, -1899) als neuen König. Seine Frau Caroline (1841 Breckerfeld,-1892) ist die Königin. Weil die Krone durch den städtischen Beigeordneten Möllenhoff beim Ehrenschuß im Namen des Kaisers errungen wird, telegraphiert man diesem den Glückstreffer.

1889 Jakob Brombach wird neuer Rendant. Zum Fest verpflichtet Oberst Ebbinghaus per Vertrag mit Musikdirektor Franz Giesenkirchen aus Dortmund dessen Kapelle. Das Fest findet vom 20. -22. Juli statt. König wird der Taxator Friedrich Heimeier (1853 Südkamen, -1920), der seine Frau Friedrike zur Königin nimmt. Am Festverlauf ist auffällig: am Sonntag findet ein Frühstück des Königs(!) im Hotel Biermann am Markt statt, an dem Vorstand und Offizierskorps teilnehmen. Das Fest wird beendigt durch ein Feuerwerk des Pyrotechnikers Hubert Balke aus Heeren, der diese Aufgabe noch häufiger bei den Festen bis zum 1. Weltkrieg übernimmt. Wegen eines zu langen Festes zahlt der Verein eine Strafe.

1890 Der Kaiser und preußische König Wilhelm II. trifft die „allerhöchste Entscheidung“, daß es zur Abgabe von Schüssen im Namen des Kaisers bei Schützenfesten einer „besonderen königlichen Genehmigung“ bedarf. Der Kamener Schützenkönig Fr. Heimeier verleiht „dem Paukenträger für ewige Zeiten“ Wilh. Klasing einen besonderen Orden. Gleichzeitig erfolgt die Beförderung zum Vize-Feldwebel mit der Berechtigung, den Degen zu tragen.

1891 Offizierswahlen: Heinrich Blödom als Major (2. Bat.) wiedergewählt, neugewählt Gustav Dunkel zum Hauptmann der 3. Komp. Frl. Lina Reinhard übergibt während des Festes Oberst W. Ebbinghaus die neue Fahne, „von Camens Frauen und Jungfrauen gestiftet.“

König wird am 11. Juli der Bergmann Friedrich Kämper jr., Königin Frl. Siekmann. An der Polonaise nehmen mind. 360 Paare teil.

1893 Der Vorstand beschließt die Anschaffung von 300 Schützengewehren aus Holz. Den Auftrag erhält der Zimmermeister Gustav Starke, dem pro Stück 60 Pfg. gezahlt wird. Neuer Hauptmann der 2. Komp. wird Emil von der Heide. Das Fest beginnt am 14. Juli mit dem Zapfenstreich, den Hauptmann Gerdts kommandiert (die Gewohnheit, im Wechsel einem der Hauptleute das Kommando zu übertragen, wird erst nach dem 2. Weltkrieg aufgegeben. Seitdem kommandiert in Kamen der Oberst). Das Vogelschießen verläuft denkwürdig. Den Glückstreffer erzielt der alte König. Nach den Statuten kann aber niemand zweimal nacheinander König werden, deshalb wird, auch das einmalig in der Vereinsgeschichte, der Kronprinz, der Schneidermeister Wilhelm Timmerhoff, zum König proklamiert, Frau Wilhelmine Dunkel zur Königin. Auch bei diesem Fest gibt der neue König ein Offiziersfrühstück. Die Paradeaufstellung auf dem Markt vor dem Festzug wird vom Fotografen Ernst Braß auf die Platte gebannt.

1895 In diesem Jahr feiert der Verein sein 75jähriges Bestehen. Am Festakt nehmen alle noch lebenden Könige teil, ältester ist Ludwig Schultz, der 1833 die Würde errang. Jubiläumskönig wird Major und Gastwirt Heinrich Blödom, seine Königin ist Frl. Luise Menne. Bei den Tänzen ist besonders die Kamener Quadrille erwähnenswert, sie wird noch bis zum letzten Krieg aufgeführt.

1897 Die Offiziersstellen werden neu besetzt: Heinrich Hinsel wird Major (1. Bat.), Friedrich Abel Major (2. Bat.), Ludwig Knieper (Schreinermeister, 1857-1920) Hauptmann der 1. Komp. und Gottfried Friedrichs (Uhrmacher, 1868-1929) Hauptmann der 4. Komp. Die Stadtverwaltung erteilt die Genehmigung zur Errichtung einer Abortanlage in der Schützenheide. Friedrich Abel (1861-1912), Bauführer von Beruf, stammt aus Wiedeloh, Kr. Hildesheim.

Auszeichnung eines verdienten Schützen: Der Schütze und Vereinsbote Heinrich Drees (1822-1903), ein sehr volkstümlicher Mann und letzter Nachtwächter in Kamen, der seit 25 Jahren den Adler zur Heide getragen hat, bekommt eine Taschenuhr mit Inschrift. Der Königsschuß gelingt am 17. Juli dem Kaufmann August Möllenhoff, seines Zeichens Regimentsadjutant. Königin wird Frl. Martha von Basse (1879-1964), die Tochter des Bürgermeisters. Die Kompanien veranstalten nach dem Fest eine „Rechnungslage“.

1899 Der Bürgerschützenverein bekommt Konkurrenz. Der Schützenbund Westenfeldmark-Camen, später kurz Westlicher Schützenbund genannt, wird gegründet. Der Verein besteht bis zum 2. Weltkrieg, wird nach dem Kriege nicht wiederbelebt. Das Schützen-Fest wird wegen des 40jähr. Jubiläums des Krieger-und Landwehrvereins um 1 Jahr verschoben.

1900 Neuwahlen: 1. Vorsitzender wird Heinrich Jordan, Rendant Emil Gerdts. Das Fest findet vom 20. -22. Juli statt. Der Königsschuß verläuft wieder einmal nicht plangemäß. Der Rest des Vogels erlegt H. Nölke, dieser verzichtet aber auf die Würde. Deshalb wird der Rest erneut aufgesetzt, und diesmal ist der Kaufmann Sally Jacoby (1869-1929) der glückliche Schütze. Zur Königin wählt er sich Frl. Emma Mertin (1874-1953), seine spätere Ehefrau.

1901 Der Verein erhält neue Statuten. Das Mindestalter zum Eintritt wird auf 18 Jahre festgelegt. Das Festreglement liegt danach in den Händen des Vorstandes. Der jährliche Beitrag wird auf 3 Mk festgesetzt. Nichtzahler werden ausgeschlossen und müssen sich bei Neueintritt einer Ballotage unterwerfen und ein Eintrittsgeld von 3 Mk bezahlen. Am 29. Juni stirbt Oberst Wilhelm Ebbinghaus (geb. 1831).

1902 Zum neuen Oberst wird der bish. Vorsitzende Heinrich Jordan gewählt. Neuer 1. Vorsitzender wird Fritz Flor (1848

– 1923), Schriftführer der Redakteur Wilh. Felting (1876-1952). Schützenfesttage sind der 18. -20. Juli. Der neue König heißt Heinrich Frieling (1868-1946), seines Zeichens Schlossermeister. Er nimmt seine Frau Lina zur Königin. In der Schützenheide errichtet man einen neuen Schießstand, der auch zum Scheibenschießen benutzt werden kann. Man beschließt, das alte Schützenzelt in der Schützenheide in einen Festsaal umzubauen. Bisher standen dort beim Vogelschießen nur Restaurationszelte. Zum Bau soll u.a. eine Anleihe bei den Mitgliedern und bei der Stadt aufgenommen werden. Es werden Anteilsscheine ausgegeben, allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Am 1. Januar hat der Verein 296 Mitglieder, am Jahresende 349.

Der Verein schließt mit der Stadt Kamen einen Vertrag, der ihm die Nutznießung der Schützenheide zusichert,

solange der Verein besteht. Er tritt 1903 in Kraft.

1903 Mitglieder des Vereins gründen im Mai eine Schießgesellschaft. 1. Vorsitzender wird Carl Holtmann (1862-1932). Am 5. Juli findet die Einweihung des neuen Saalbaues nebst Wirtschaftsbetrieb in der Schützenheide mit Konzert, einem großen Preisschießen und einem Festball statt. Präses Flor wünscht in seiner Festrede, daß die Schützenheide entsprechend den Statuten eine Stätte der geselligen Vereinigung aller Stände, ohne Unterschied des Vermögens und des Ranges sein und bleiben möge. Den Abschluß des Tages bildet ein Feuerwerk. Erster Pächter des Wirtschaftsbetriebes ist August Brandt.

Eine Woche nach der Einweihung kommt es beim Vogelschießen des Westlichen Schützenbundes zu einem tödlichen Unfall. Daraufhin werden die Sicherheitsvorkehrungen am Schießstand verbessert und später 2 Erdwälle zum Schutz der Schießbahn aufgeschüttet. Seitdem muß jeder Nutzer des Schießstandes versichert sein.

Der Bürgerschützenverein läßt sich ins Vereinsregister des Amtsgerichtes eintragen und ist seitdem juristische

Person.

1904 Durch Wahlen kommen neu in Ämter: Oberst Gustav Ebbinghaus (1874 – 1948), Major (2. Bataillon) Heinrich Blödom (war bereits bis 1897 auf diesem Posten), Hauptmann der 1. Komp. Heinrich Frieling, Hauptmann der 2. Komp. der Schuhmacher und spätere Gastwirt Friedr. Tillmann (1867 Niedermassen, -1939), Hauptmann 3. Komp. Carl Holtmann.

Beim Fest vom 15. -17. Juli wird der Buchhändler Carl Holtmann Schützenkönig, Frl. Elisabeth Nierhoff Königin. Zum Besten des neuen Festsaales findet im November ein Unterhaltungsabend mit Konzert und „theatralischen Aufführungen“ statt.

1906 Zum Major (1. Bat.) wird Metzgermeister Gustav Kemmer (1873 Unna, -1920) gewählt. Das Fest findet vom 20. ­

  1. Juli statt. Die Königswürde fällt an Anstreichermeister Wilh. Knapstein (1868-1918), Königin wird Frl. Frieda Hedtfeld. Noch im Juli finden die Schlußappelle der 1. und 4. Komp. statt. 1907 In den schützenfestfreien Jahren bürgert sich ein, ein Frühlings-oder Sommerfest mit Konzert, Preisschießen und Ball zu feiern, in diesem Jahr mit dem Männergesangverein Einigkeit.

1908 Die 4. Kompanie leitet Hauptmann Carl Bleidick. Vor dem Fest übernimmt Major Friedrich Jordan das 2. Bataillon. Bei den Festvorbereitungen führt das Regiment am 12.7. bei wolkenbruchartigem Regen eine Felddienstübung mit Biwak in der Westenfeldmark durch. Am 18. Juli erringt Kaufmann Gerhard Gerdts (1885-1920) die Königswürde, seine Königin ist seine spätere Ehefrau Hedwig Vohwinkel (1891-1944). Die Königin (!) gibt für das Offizierskorps ein Frühstück.

1910 Der König des diesjährigen Festes heißt seit dem 23. Juli Heinrich Hohendahl, von Beruf Betriebsführer. Frau Kümper wird die Königin. Sie war schon 1883 unter ihrem Geburtsnamen Marie Syberberg Königin, der bisher einzige bekannte Fall einer zweimaligen Regentinnenehre in der Vereinsgeschichte.

Für Oberst Gustav Ebbinghaus hat das Fest noch ein übles Nachspiel. Zum Abschluß des Festes hatte er, wie wohl schon lange üblich, das Königspaar mit Musik nach Hause geleitet. Das brachte ihm eine Anzeige wegen nächtlicher Ruhestörung ein, wofür er nun zu einer Geldstrafe von 18 Mk verurteilt wird.

1912 In neue Ämter werden gewählt: zum Major (1. Bat.) der Mühlenbesitzer Heinrich Ruckebier (1877 Westick, -1947), zum Hauptmann (3. Komp.) Richard Scharfenberg, zum Hauptmann (4. Komp.) der Kaufmann Louis Mertin (1878­1950), der aber schon nach wenigen Wochen zurücktritt, ihm folgt Carl Klothmann. Für die Nutzung der Schützenheide durch Schulen und Vereine wird eine eigene Ordnung aufgestellt, die auch Mietpreise enthält. Das Vogelschießen findet am 6. Juli statt, der Königsschuß gelingt Metzgermeister Julius Borstädt (1876 Südkamen, -1952), der Frau Johanna Scheele zur Königin nimmt.

1913 Im schützenfestfreien Jahr findet am 24. August ein Schützenerinnerungsfest mit Preisschießen, Konzert und Ball statt. Im Herbst treten neue Statuten in Kraft. Bemerkenswert sind die Rechte der Generalversammlung. Alle Mitglieder des Vorstandes (Vorsitzender, Oberst (gleichzeitig Stellvertreter des Vorsitzenden), 1. und 2. Schriftführer, Rendant) sowie des Beirates (2 Majore, 4 Hauptleute und 4 Beisitzer) werden von ihr gewählt. Alle Gewählten dürfen die Wahl nur unter besonderen Bedingungen ablehnen. Bei rückständigen Beiträgen erfolgt kurzfristig der Vereinsausschluß.

1914 Das Jahr beginnt mit einem Wechsel im Vorsitzendenamt. Wilhelm Felting löst Fritz Flor ab, der den Ehrenvorsitz übernimmt. der Lehrer Robert Tüselmann (1864-1926) wird 1. Schriftführer. Zum Fest führt Heinrich Stöckel die 1. Kompanie, Heinrich Frieling das 1. Bataillon.

Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges wird noch einmal Schützenfest gefeiert. Zu den Vorbereitungen gehört auch eine „Nachtfelddienstübung“. Der Königsschuß gelingt dem Schneidermeister Friedrich Broch, nachdem zuvor der Zimmermann Friedrich Ruckebier den Vogel abgeschossen, auf die Würde aber verzichtet hatte. Königin wird Frau Wilhelmine Cramer (1879-1954). Sie willigt ein, daß beim Königinnenfrühstück erstmals zu dem traditionell üblichen Wein auch Bier ausgeschenkt werden darf. König Friedrich Broch stirbt 1917 an einer Kriegsverwundung im Alter von 33 Jahren.

  1. Der Verein zwischen den Weltkriegen

Der 1. Weltkrieg brachte auch für den Schützenverein Veränderungen mit sich. Viele Vereinsmitglieder hatten gekämpft, einige waren gefallen, auch der König von 1914 erlag im Jahre 1917 seinen Verwundungen. Die monarchisch gesinnten Schützen fanden sich plötzlich in einer Republik wieder. Die Vereinsaktivitäten verlaufen ab 1919 zunächst in den gewohnten Bahnen, erst in den Jahren 1930 und 1932 muß wegen der schlechten Wirtschaftslage das Schützenfest ausfallen. Der verderbliche Virus des Nationalsozialismus geht auch an unserem Verein nicht spurlos vorüber, zumal das den Verein tragende Bürgertum dieser Zeit überwiegend national-konservativ eingestellt ist. Die Gleichschaltung erfaßt auch die Schützenvereine, und die Vereinsarbeit hat entsprechende Vorgaben zu befolgen.

1919 Im Februar hält der Vorstand seine erste Nachkriegssitzung ab, nachdem während des Krieges die Vereinstätigkeit ausschließlich in seiner Hand gelegen hat. Bald plant man neue Festlichkeiten. So findet noch im gleichen Jahr ein Konzert mit Ball statt, an dem auch die Gesangvereine Einigkeit und Auguste Viktoria mitwirken. Dann beginnen auch schon die Vorbereitungen für das Jubiläumsfest.

1920 In der ersten Generalversammlung wird der Vorstand in seinem Amte bestätigt. Heinrich Frieling führt als Major das

  1. Bataillon, Gottfried Friedrichs als Hauptmann die 4. Kompanie. Der Verein hat 262 Mitglieder.

Der Vorstand beschließt, das hundertjährige Jubiläum in großem Stil zu begehen. Das Motto lautet: „Geselligkeit, Eintracht und Bürgersinn.“ Nach den üblichen Appellen und Ausmärschen wird das Fest am 31. Juli und 1. August gefeiert. Es schließt

ungewöhnlicherweise am 2. August mit dem Vogelschießen. Und so erlebt Kamens Schützenfamilie nach den entbehrungsreichen Kriegs-und Nachkriegsjahren ein großes Fest. Nach dem Zapfenstreich am Samstagabend wird im Schützenhof eine Reihe „lebender Bilder“ aus der Vereinsgeschichte unter der Regie von Ernst Braß aufgeführt. Den Text dazu hatte der Dortmunder Heimatdichter Karl Prümer verfaßt. Zum Schluß des Abends tanzen 16 Damen einen Rosenreigen. Zum Festzug am Sonntag tritt ein starkes Regiment auf dem Markt an. Als Gastvereine nehmen der Westliche Schützenbund und der Schützenverein Ostenfeldmark teil. Im Festzug trägt man das alte Schützenbeil und zwei Trinkgefäße aus Birkenholz, die sogenannten Berkemeier mit. Vorsitzender Wilhelm Felting weist in seiner Rede darauf hin, daß der Verein 1820 aus dem Freiheitsdrang entstanden sei, der das ganze Volk beseelt habe. Nach der Mahnung, den alten Geist treu zu bewahren, schließt er mit einem Hoch auf das Vaterland.

Bürgermeister Dr. Wiesner hebt in seiner Rede hervor, daß der Schützenverein alle Bürger ohne Unterschied des Standes, Ranges oder Vermögens aufnehmen, alle in froher Geselligkeit vereinen und dadurch Eintracht und Liebe fördern wolle. Nach den Ansprachen nehmen neben dem Oberst Gustav Ebbinghaus und dem Bürgermeister Dr. Wiesner alle noch lebenden Könige die Parade ab, der älteste ist Friedrich Dellwig, König von 1873.

Nach der Polonaise, die starken Zuspruch findet, sieht der Abend erneut die Aufführung der lebenden Bilder vor. Erst am 3. Festtag, einem Montag, findet das Vogelschießen statt. Der Königsschuß fällt dem Kaufmann Friedrich Sirringhaus zu, der Fräulein Erna Borstädt zur Königin erwählt. Ein Festball und ein Feuerwerk in der Schützenheide beschließen das Fest.

1921 veranstaltet der Verein ein Winter-und ein Sommerfest. So geschieht es auch in den kommenden schützenfestfreien Jahren. Die Schützenheide erhält elektrisches Licht und wird renoviert.

1922 Vorstandswahlen: Major des 2. Bataillons wird Heinrich Jackenkroll, Hauptmann der 2. Kompanie Emil Jühe, Hauptmann der 3. Kompanie Josef Overmann. Der langjährige Rendant Emil Gerdts legt sein Amt nieder, Nachfolger wird Richard Scharfenberg.

Das Schützenfest vom 21. -23.7. sieht den Wirt Wilhelm Neff und Frau Hedwig Schneider als Königspaar. Die Schlußappelle finden im August statt. Beim Fest macht sich bereits die Inflation bemerkbar, 50 Mk zahlt der Festteilnehmer. Der Pächter der Schützenheide, August Brandt, zahlt in diesem Jahr 25.000 Mk an Pacht.

1924 Im Januar veranstaltet der Verein einen Theaterabend im Schützenhof mit dem Verein der Theaterfreunde Kamen, der die Operette „Der Soldat der Marie“ aufführt. Neuer Major des 1. Bat. wird Fr. Emanuel, der amtierende König wird Hauptmann der 3. Kompanie. Zum Schützenfest erscheint erstmals eine Festzeitschrift. Beim Fest geben sich die Schützen kriegerisch. Eine Felddienstübung wird veranstaltet, bei einem Ausmarsch wird eine Artillerieabteilung mitgeführt, bestehend aus einem Geschütz, einem Minenwerfer und einem Panzer-Auto.

Der Vogel fällt am 19. Juli von der Hand des Uhrmachermeisters Otto Hilburg. Königin ist Frau Emma Pentinghaus. An der Polonaise nehmen 520 Paare teil. Lange Freude hat der neue König nicht an seiner Regentschaft. Fast 30jährig stirbt er im November desselben Jahres. Auch die Schießgesellschaft meldet sich zu Wort. Sie nimmt regelmäßige Schießübungen in der Schützenheide auf.

1926 Neuer Hauptmann der 2. Kompanie wird Wilhelm Kemmer. Wegen der wirtschaftlichen Lage ist die Abhaltung des Schützenfestes zunächst nicht gesichert. Schließlich wird ein Fest in vereinfachter Form beschlossen, das man vom 23. -25.7. feiert. Der letzte Kronprinz August Gerdes nimmt Regentenpflichten wahr.

Der neue König heißt Wilhelm Blome von der Nordstraße, seines Zeichens Wirt, die Königin Paula Sirringhaus. Am Festzug nehmen die 1. Kompanie des Dortmunder Schützenvereins sowie die Vereine aus Overberge, Ostenfeldmark und Bergkamen teil.

Am Montag lädt Wirt August Brandt zum großen Konzert in die Schützenheide ein, so wird es auch bei den

folgenden Schützenfesten sein. Im August entwickelt sich aus einem Schützenfest der Kinder der Königskompanie (1. Komp.) ein allgemeines Kinderschützenfest, an dem 175 Jungen und Mädchen teilnehmen. Die ersten kleinen Majestäten, die wir kennen, heißen Ludwig Döring und Hilde Kloth.

1927 wird Louis Mertin zum 1. Schriftführer, Friseur Fritz Strunk zum Hauptmann der 3. Kompanie gewählt. Im Reinhardschen Saal (Schützenhof) findet am Rosenmontag ein Kostümfest statt. Der Verein hat 380 Mitglieder. Die Stadt Kamen kauft den Schützenhof.

1928 wird wieder ein Rosenmontagsball veranstaltet. Die Schießgesellschaft begeht ihr 25jähriges Jubiläum mit einem Preisschießen. Dessen Sieger ist Richard Scharfenberg. Der Jubiläums-Ehrenpreis geht an Heinrich Frieling. Vom

  1. -8. Juli wird das Schützenfest gefeiert. Diesmal erringt der Vereinsvorsitzende Wilhelm Felting die Königswürde. Er regiert mit Frau Charlotte Mertin als Königin. Während seiner Königszeit amtiert der Oberst Gustav Ebbinghaus stellvertretend als Vorsitzender. Bürgermeister Berensmann wird Kammerherr im Hofstaat.

1929 beginnt der Ausbau der Wirtschaftsräume in der Schützenheide. Auch ein Gesellschaftszimmer wird dabei eingerichtet. Vorstandsmitglied Schlossermeister Heinr. Frieling stellt für den Anbau eine Urne zur Verfügung, in die u.a. Lichtbilder, Vereinsschriftstücke und Inflationsgeld eingeschlossen werden. Die Urne befindet sich in der Grundmauer (Sie wird bei den Ausschachtungsarbeiten im Jahre 2000 nach der Brandkatastrophe vom Vorjahr leider nicht wiedergefunden).

1930 Hauptmann der 2. Kompanie wird Ernst Lohsträter. Wegen der wirtschaftlichen und innenpolitischen Lage findet kein Schützenfest, sondern ein Erinnerungsfest am 13. Juli statt. Mit Preisschießen, Kinderbelustigungen und Kaffee-Konzert bietet man ein Familienprogramm.

1931 In der Generalversammlung stellt der Oberst G. Ebbinghaus fest, daß es in der letzten Zeit viele Austritte aus wirtschaftlichen Gründen gegeben hat. Wieder findet ein Kostümball statt. Als amtierender Führer der 4. Kompanie wird W. Dolle erwähnt.

1932 Der Lehrer und Heimatforscher Gustav Betzler wird zum 1. Schriftführer gewählt. Im Bürgerhaus Scholz feiert man das Kostümfest. Das Schützenfest fällt wieder aus.

1933 Nur noch 154 Mitglieder gehören dem Verein an. Das nationalsozialistische Regime läßt auch die Schützenvereine „säubern.“ Der Schützengau Westfalen-West beschließt auf einer Verbandstagung, „alle als Marxisten bekannte Mitglieder“ bis zum 1. Mai auszuschließen.

1934 Schon am 13. Jan. nimmt die Generalversammlung eine neue Satzung an, die der neuen Mustersatzung des Deutschen Schützenbundes entspricht und das „Führerprinzip“ der NS-Ideologie zwingend vorschreibt. Die Aktivität des Vereins dient nun „zur Förderung der Wehrkraft des Volkes“. Der Vorstand muß „nationalsozialistischer oder nationaler Gesinnung sein“. Zum Vereinsführer wird Wilh. Felting, zu seinem Stellvertreter und Oberst Gustav Ebbinghaus gewählt. Der „Vereinsführer“ ernennt u.a. zu seinen Mitarbeitern Richard Scharfenberg als Schatzmeister und Gustav Betzler als 1.Schriftführer.

Im Juni ordnet der Reichssportführer an, daß alle Schützenvereine sich dem Deutschen Schießsportverband

anzuschließen haben. Wer nicht beitritt, darf kein Schützenfest mehr feiern.

Die Schießgesellschaft hält ein Preisschießen ab. Nach 6jähriger Pause wird das Schützenfest in Kamen vom 31.8. -2.9. gefeiert. Den Königsthron erobert Theodor Tschöke, zur Königin nimmt er Frau Hedwig Ebbinghaus. Neu im Programm: am Montag nach dem Fest gibt der Heidewirt Paul Müller ein Konzert mit „Deutschem Tanz.“

1935 Der Vereinsführer W. Felting ernennt auf der Generalversammlung Heinrich Frieling zum neuen 1. Schriftführer. Die Versammlung endet mit dem damals üblichen Ergebenheitsritual gegenüber der politischen Führung.

In der Schützenheide findet ein Karnevalsfest statt. Die Sportschützen erhalten einen 50m KK-Schießstand und eine Einrichtung zum Pistolenschießen. 1936 Auf der Generalversammlung wird bekanntgegeben, daß in diesem Jahr ein Schützenfest, ein Karnevalskränzchen

und im Herbst ein Kompanievergleichsschießen stattfinden. Das Regiment gibt sich zum Fest eine neue Ordnung. Statt der 4 Kompanien treten nur noch eine Avantgarde unter Hauptmann Karl Ebbinghaus und eine Landsturmkompanie unter Hauptmann Heinrich Stöckel auf. Festtage sind der 31.7. bis 2.8.. Der Königsschuß fällt dem Bäcker Werner Schmidt zu. Zur Königin nimmt er sich Frl. Erna Rumpf. Der Schlußappell des Landsturms findet am 12.9. bei L. Kümper am Rathaus, der der Avantgarde bei F. Tillmann statt.

Im Herbst werden der Westfälische und der Deutsche Schützenbund aufgelöst und in den neuen Deutschen

Schützenverband überführt. Auf einer Generalversammlung im Oktober gibt die Vereinsführung den Beitritt zum Westf. Heimatbund bekannt, was auch zur Pflege der plattdeutschen Sprache verpflichtet. Deshalb gibt Pastor Fritz Ebbinghaus eine „herzerfrischende, humorvolle Vorlesung“ in der Sprache unserer Vorfahren.

Im Rahmen einer heimatkundlichen Ausstellung werden die alten Vereinsfahnen und Königsorden gezeigt. 1937 Am 1. Ostertag veranstaltet der Verein ein Konzert mit Tanz. Der Heidewirt Hermann Böttcher läßt dazu ein Osterfeuer abbrennen. In der Generalversammlung vom 3. Juli ernennt der Vereinsführer seine engeren Mitarbeiter. Zum neuen Oberst beruft er Karl Ebbinghaus, er folgt seinem Vater Gustav Ebbinghaus nach, der Ehrenoberst wird. Das Regiment kehrt wieder zur alten Kompaniegliederung zurück. Auf dem Regimentsappell vom 28. Juli werden folgende Hauptleute gewählt: Karl Reimer (1. Komp.), Ernst Lohsträter (2. Komp.), Josef

Scholz (3. Komp.) und Werner Schmidt (4. Komp.). Letzterer ist noch Schützenkönig, deshalb ernennt er Heinrich Ring zu seinem Stellvertreter. Die Ortsgruppe der NSDAP erklärt die Kinderschützenfeste als unerwünscht. Im August startet ein Sommerfest

unter Mitwirkung des MGV Einigkeit und der Kapelle Herzog. KK-Schießen und Tanz stehen auch auf dem Programm.

1938 Der Vorstand nennt sich nun „Führerrat.“ Neu in ihre Ämter gelangen: Rendant Paul Freisendorf und 1. Schriftführer Ernst Jacobi. Das Schützenfest wird auf die Tage vom 24. bis 26. Juni festgelegt. Laut Vorschrift des Deutschen Schützenverbandes findet vorher ein Scheibenkönigsschießen statt, das von Willi Klinkmann gewonnen wird. Die traditionelle Königswürde erringt der junge Oberst Karl Ebbinghaus, seine Königin wird Frau Erna Reimer. Zum neuen Oberst wird am Festsonntag der bisherige Major Louis Kümper ernannt.

1940 Der 2. Weltkrieg ist im vollen Gange. Am 31. März wird eine Generalversammlung abgehalten. Die Reihen der Schützen haben sich durch Einberufungen zum Kriegsdienst gelichtet.

  1. Friedliche Zeiten – Fröhliche Feste Die Vereinsgeschichte seit 1950

Das Ende des 2. Weltkrieges brachte für die Deutschen einen ungeheuren Einschnitt in ihr politisches und kulturelles Leben. Das Elend war riesengroß, und alle Kräfte wurden für den Wiederaufbau benötigt. Die westlichen Siegermächte begannen, die Deutschen in ihrem Besatzungsgebiet allmählich an einen demokratischen Aufbau von Staat und Gesellschaft zu gewöhnen. Alles, was nur irgendwie den Anschein hatte, in das gedankliche Umfeld des Nationalsozialismus und Militarismus zu gehören, sollte keine Rolle mehr spielen dürfen. Dazu zählten die Sieger auch die Schützenvereine. Sie wurden verboten, und, wie im Falle des Bürgerschützenvereins Kamen, ihr Vermögen wurde beschlagnahmt und einer Sonderverwaltung unterstellt. So konnten sich die Kamener Schützen erst nach Gründung der Bundesrepublik wieder sammeln und ein Vereinsleben aufbauen. 1950 beginnt eine großartige Zeit des Aufschwungs und der erneuten Vereinsblüte. Bis 2008 konnten in friedlichen Zeiten 29 Schützenfeste gefeiert werden, die dank des selbstlosen Einsatzes vieler Vereinsmitglieder zumeist große Volksfeste sind, die noch lange in Erinnerung bleiben werden. Das Vereinsleben heute ist geprägt von der Pflege alter Traditionen sowie des Schießsportes, wobei der Geist kameradschaftlicher Eintracht oberste Verpflichtung ist.

1950 ist das Jahr des Neubeginns. Die Schützen blasen zum Sammeln. Die alten Kompanien sammeln ihre Mitglieder, die überlebt haben und die aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt sind. Ein erstes Treffen in der Gaststätte Ring beschließt unter Karl Ebbinghaus eine Versammlung zur Neugründung. Am 3. Juni findet im Gasthof Rieder die Gründungsversammlung statt, 44 Schützen sind anwesend. Eine Mitgliederversammlung wählt am 23. August einen neuen Vorstand für den Verein, der sich nun „Schützenverein Kamen 1950“ nennt. Ihm gehören an:

  1. Vorsitzender: Hans Dolle
  2. Vorsitzender: Karl Ebbinghaus

 

  1. Schriftführer: Walter Bahr
  2. Schriftführer: Gustav Adolf Berensmann

 

  1. Kassierer: Robert Blankenstein
  2. Kassierer: Gustav Menne sowie als Beisitzer: Paul Hagedorn, Karl Reimer, Ludwig Kümper und Gustav Fluhme.

 

Letzterer fungiert auch als amtlich bestellter Verwalter für das beschlagnahmte Vermögen des alten Bürger-

Schützenvereins. Der Vorstand findet denkbar schlechte Startbedingungen vor. Der alte Schützenhofsaal war ebenso wie der Saal Scholz Opfer des Bombenhagels geworden, der Saal in der Schützenheide von den Engländern beschlagnahmt, und die Stadt Kamen hegt Pläne, die volle Verfügungsgewalt über die Schützenheide zu erlangen, um sie als Siedlungsgelände zu verkaufen.

Zunächst beschließt der Vorstand, unverzüglich neue Statuten auszuarbeiten, sich in das Vereinsregister eintragen zu lassen und die Übertragung der gesperrten Vermögenswerke zu beantragen. Fortan soll der Geist der kameradschaftlichen Eintracht der alten Schützenbrüder, frei von Militarismus, das Vereinsleben bestimmen. Der Verein tritt dem Westfälischen Schützenbund bei. Daß die Jahre der schrecklichen Gewaltherrschaft noch Befürchtungen in Teilen der Bevölkerung hinterlassen haben, zeigt sich, als der neue Verein seine Eintragung ins Vereinsregister beantragt. Der Hauptausschuß des Stadtrates spricht sich mehrheitlich gegen die Eintragung aus, mit der Begründung, „daß durch den neuen Schützenverein wieder der militärische Geist gefördert würde“.

Zu Hauptleuten für die 4 Kompanien werden ernannt bzw. wiederernannt:

  1. Kompanie: Karl Reimer
  2. Kompanie: Fritz Tillmann
  3. Kompanie: Ernst Henter
  4. Kompanie: Heinrich Ring. Noch im Herbst (29.09. bis 01.10.) findet ein Erinnerungsfest statt, auf dem auch das Gedenken an die Toten des Krieges ihren Platz hat. Das Festessen beim Biwak „Erbsensuppe mit Speck“ aus der Gulaschkanone schmeckt allen herrlich. Am ersten Abend erklingt der Zapfenstreich. Die Presse berichtet im Vorfeld, daß die Vorbereitungen der 2. Kompanie von Hauptmannt Wilhelm Kalle, die der 4. Kompanie von Hauptmann Karl Bittmann geleitet werden.

 

1951 Das Jahr beginnt verheißungsvoll. Der sogenannte Organisationsausschuß für gesperrte Vermögen in Celle teilt mit, daß die Rückübertragung des Vereinsvermögens in Kürze erfolgen wird, was dann auch geschieht. Eine alte Tradition wieder aufnehmend, wird am Rosenmontag eine Karnevalsveranstaltung aufgezogen. Diesem

Kostümfest werden noch viele nachfolgen. Der Vorstand beschließt, vom 29.06. bis zum 01.07. das erste Schützenfest nach dem Kriege zu feiern. Am 06.05. wird Oberst Louis Kümper vom Vorstand an Stelle von Oberst Karl Ebbinghaus, der noch als König

amtiert, mit der Führung des Regiments zum Schützenfest beauftragt. Zur Vorbereitung des Festes finden nach alter Übung Kompanieappelle und Ausmärsche zur Schützenheide statt.

Mit dabei, unter dem Kommando von Hauptmann Ring, auch eine „Weiber“-oder „Nylonkompanie“, Vorläuferin für die spätere Frauengruppe des Vereins. Das Fest selbst wird ein riesiges Volksfest. Ganz Kamen ist auf den Beinen. Neuer König wird Paul Hagedorn, der

Frieda Menne zur Königin erwählt. Das Königspaar präsentiert sich im Festzug der Kamener Bevölkerung, die den Marschweg in dichten Reihen säumt. Vor der Parade ein Bild Kamener Urwüchsigkeit: Franz Beckhaus hilft dem schwergewichtigen Oberst Louis Kümper mit einer Trittleiter, sein stämmiges Pferd zu besteigen. Die Festmusik führt die Bergkapelle Monopol aus unter dem Kapellmeister Franz Vogt, mit seinem riesigen Schnauzbart eine imposante Erscheinung. Diese Kapelle hat in den Folgejahren noch viele Feste mitgestaltet. An der Polonaise auf dem Markt nehmen etwa 500 Paare teil. Ca. 8000 Menschen schauen dem Ereignis zu. Erwähnenswert: der Königsvogel entstand in der Werkstatt des Schreinermeisters Erich Hünerbein. Aus seiner Hand und später aus der seines Nachfolgers und Schwiegersohns Karl Heinz Blaschke stammen bis 2008 alle Adler der Kamener Schützenfeste.

1952 Die Vorstandswahlen vom 12.01. bringen Veränderungen: neuer 1. Vorsitzender: Karl Ebbinghaus neuer 2. Vorsitzender: Theodor Mürmann neuer 1. Schießwart: Erich Brosig als Nachfolger von Julius Pankok,

Louis Kümper wird als Oberst bestätigt. Auf Beschluß der Jahreshauptversammlung werden die 4 Hauptleute in

den Vorstand aufgenommen. Im Sommer findet ein Regimentsbiwak in der Schützenheide statt. Am 28. August stirbt der langjährige und letzte Vorsitzende des alten Bürgerschützenvereins, der Zeitungsverleger Wilhelm Felting. An seinem Grab singt der MGV Einigkeit.

1953 Anfang des Jahres wird die Renovierung des Schießstandes in der Schützenheide abgeschlossen. Das Jahr steht im Zeichen des Schützenfestes vom 03. -06.07.. Vor dem Fest stehen auch ein Biwak und ein Kinderschützenfest auf dem Programm. 300 Kinder ziehen vom Schützenhof zur Schützenheide. Kinderschützenkönig wird der 10jährige Klaus Brand.

Das Fest selbst ist wieder ein echtes Volksfest. Die Königswürde fällt dem Möbelkaufmann Karl Reimer zu, Hauptmann der 1. Kompanie. Genau 600 Schuß hat der Holzadler ausgehalten. Bei allen kommenden Festen ist nun die Schußzahl bekannt. Königin ist Klara Mork. Sie stiftet dem Verein ein Königinnendiadem. Die Führung der

  1. Kompanie übernimmt Ernst Flacke. Im Juni löst eine Mitgliederversammlung den alten Bürgerschützenverein formell auf.

1954 Die Jahreshauptversammlung wählt am 09.01. Herbert Gerdes zum 1. Kassierer. Die 3. Kompanie erringt beim Vergleichsschießen einen Wanderpreis des Obersts. Beim Kostümfest am Karnevalssamstag treten die Roten Funken aus Dortmund auf.

 

Am 28. und 29. August finden wieder Biwak und Kinderschützenfest statt. An den Baulichkeiten in der Schützenheide treten Bergschäden auf.

1955 Im Regiment ergeben sich Veränderungen: Karl Ebbinghaus übernimmt wieder die Führung als Oberst. Die Spitzen der neugebildeten Bataillone werden mit Gustav Menne (1. Bat.) und Ernst Henter (2. Bat.) besetzt. Der neue Hauptmann der 3. Kompanie heißt Ernst von der Heide. Die 4. Kompanie führt Günther Vogel. Vor dem Fest werden einheitliche Schützenröcke beschafft, zunächst nur für den Regimentsstab und die Fahnenabordnung. Schützenfest ist vom 08. -11.07. unter dem Königspaar Xaver Quante und Auguste Henter. Auch der Reiterverein nimmt am Fest teil. Seine Ehrenformation wird noch bei vielen Schützenfesten dabei sein. Die neue Königin stiftet die erste Königinnenschärpe.

1956 Ehrenmitglied des Vereins wird neben anderen der Lehrer Rudolf Spengler. Aus seiner Feder stammt eine Vereinschronik der Jahre 1920 bis 1950. Auftrieb des Schießsports. Der Verein stiftet den Julius-Pankok-Karl-Zumbansen-Pokal. Die Kompanien haben eigene Schießstände in den Gastwirtschaften Hoselmann, Tillmann, Hägerich und Biermann. Der 16.09. ist ein großer Tag für den Verein: Landrat Heinrich Renninghoff weiht in der Schützenheide die neue Vereinsfahne und betont dabei die Förderung von Harmonie und Einigkeit unter Kamens Bürgerschaft durch den Schützenverein. Die Fahne wurde nach einem Entwurf vom Schützenbruder Herbert Gerdes von der Firma Carl Koch in Coburg hergestellt. Im November verschwindet ein Stück alter Kamener Tradition: Der Schützenhof wird abgerissen (heute Standort Schuhhaus Wolter).

1957 Die Jahreshauptversammlung beschließt, zum bevorstehenden Fest eine Königskasse einzurichten, in die die interessierten Schützen einzahlen. Großes Programm schon vor dem Fest: Offiziersappell, 2 Appelle der Kompanien, Ausmarsch in die Schützenheide zum Exerzieren und schließlich ein Biwak fordern die Einsatzbereitschaft der Schützen. Festtage sind der 12. -15.07.. Am Freitagnachmittag vor dem Festbeginn mit dem Großen Zapfenstreich zwischen den beiden Kirchen, legt eine Abordnung erstmals zum Totengedenken einen Kranz vor dem Holzkreuz des neuen Ehrenmals auf dem Friedhof nieder. Oberst Karl Ebbinghaus betont dabei, daß Schützenfeste auch in der Vergangenheit immer schon mit einem Totengedenken begonnen wurden. Erstmals gibt mit Hubert Beckmann wieder ein Kamener Bürgermeister den Ehrenschuß beim Vogelschießen ab. In einer kurzen Ansprache hebt er die Kameradschaft im Schützenverein hervor. Der Königsschuß gelingt Theo Herrmann, seine Königin ist Christel Neff.

 

Eine außerordentliche Jahreshauptversammlung beschließt mit einer neuen Satzung auch die Umbenennung des Vereins. Von nun an heißt er „Schützenverein Kamen von 1820 e.V.“. In diesem Jahr dichten Franz Pusch und Heinrich Mertens das Regimentslied.

1958 Am 1. Januar zählt der Verein 223 Mitglieder. Xaver Quante wird zum 2. Vorsitzenden gewählt, Vorsitzender Karl Ebbinghaus zum Präsidenten ernannt. Karl Reimer übernimmt die Führung des 1. Bataillons, Gustav Ebbinghaus die der 1. Kompanie. Höhepunkt des Jahres ist der Königsball (erstmals nach dem Kriege) im Juni, zu dem alle ehemaligen Könige und Königinnen eingeladen werden.

1959 Vorsitzender und Oberst Karl Ebbinghaus legt das Amt des Obersts nieder. Zum Nachfolger wird Major Heinrich Ring (1905 – 1977) gewählt. Die 2. Kompanie wird noch von Oberst Karl Ebbinghaus zur Fahnenkompanie bestimmt. Als Festtermine werden der 10. -13.07. festgelegt. Orte des Festes: der Zapfenstreich in der Senke zwischen den beiden Kirchen, das Festzelt auf dem Neumarkt, Vogelschießen natürlich in der Schützenheide. Der Spielmannszug „In Treue fest“ Heil und die Bergkapelle Monopol sind dabei. Die Heiler Musiker begeistern alle Zuhörer auch bei vielen kommenden Festen durch ihr hervorragendes Spiel. Für die Festmusik im Zelt ist das Bergorchester Haus Aden unter Albert von der Heyden engagiert, das mit der Uraufführung des „Kamener Schützenmarsches“ von Josef Simon an die Öffentlichkeit tritt. Das Königspaar des Festes heißt Gustav Menne und Lina Hünerbein. Zum letzten Mal wird ein König mit der alten Königsschärpe dekoriert.

1960 Robert Blankenstein ist 1. Schriftführer. Der Königsball ist Höhepunkt des Jahres. In der Zukunft wird er im schützenfestfreien Jahr stets das Hauptereignis ein. Am Jahresende stehen 272 Schützen und Schützinnen in der Mitgliederliste.

1961 Zur Förderung der Jugendarbeit wird erstmals ein Jugendwart gewählt (Alfred Holtmann, bis 1966. Es folgen Jahre der Stagnation). Das Schützenfest umfaßt die Tage vom 30.06. -03.07.. Der Königsschuß gelingt August Wilhelm Hofmeister, genannt „Auwi“, der seine Frau Ruth zur Königin nimmt. Der neue König wird als erster mit einer Königskette proklamiert. Bei der Proklamation wird ein Königstrunk kredenzt, wozu der silberne Königspreislöffel

des Jahres 1834 dient, der von der Familie Frieling dem Verein geschenkt wurde. Den alten Markt schmücken erstmals städtische Fahnen. In diesem Jahr stirbt Altoberst Louis Kümper (geb. 1887). Oberstleutnant Wilhelm Kaiser übernimmt die Regimentsführung an Stelle des erkrankten Obersts Heinrich Ring. Die Sportschützen erbauen sich einen Schießstand im Garten des Hotels Bergheim und weihen ihn am

12.09. ein. 1962 299 Mitglieder gehören dem Verein an. Jahreshauptversammlung: Alexander Koepe wird 1. Kassierer. Irmgard Mielke gründet die Frauengruppe der 2.

Kompanie, Oberst Willi Kaiser übergibt einen Fahnenschrank seiner Bestimmung. Derzeitiger Hauptmann der 4.Kompanie ist Paul Krause.

1963 Xaver Quante (1909 – 1990) übernimmt das Amt des 1. Vorsitzenden (zunächst kommissarisch) an Stelle des erkrankten Karl Ebbinghaus. Paul Felske übernimmt als Hauptmann die 3. Kompanie. Kurt Timmler wird neuer 2. Vorsitzender. Das Schützenfest findet vom 28.06. bis 01.07. statt. Glücklicher Königsschütze ist Gustav Ebbinghaus, seine Frau Marianne wird Königin. Das Festzelt steht auf dem Neumarkt (Schulhof der Falkschule), wo auch die Polonaise aufgeführt wird.

Es ist üblich geworden, am Montag nach dem Fest einen Kehraus zu veranstalten, bei dem die Schützen ganz zivil mit ihren Gästen feiern. Für Stimmung sorgt in diesem Jahr die Kabarettistin Anny Werner.

1964 Die Generalversammlung wählt Joachim Trautwein zum 1. Kassenwart. Der Königsball in der Schützenheide am

  1. September ist der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Vereinslebens. Viele Gastkönigspaare nehmen teil.

Besonders geehrt wird die Alterskönigin Charlotte Mertin. Am 23. Oktober wählt das Offizierskorps August Wilhelm Hofmeister (1924 – 2003) zum Oberst, nachdem Oberst Wilhelm Kaiser sein Amt aus Gesundheitsgründen niedergelegt hat. Kaiser ist den Schützen als besonders schneidiger Kommandeur in Erinnerung geblieben, der schon in den 50er Jahren als Regimentsadjutant maßgeblich die Feste vorbereitet hat.

Der neue Oberst setzt mit straffer Hand die Arbeit seines Vorgängers fort. In seiner Amtszeit läßt er die alten soldatischen Schulterstücke auf den Schützenröcken durch diejenigen der Forstbeamten ersetzen.

1965 Die Jahreshauptversammlung bestätigt den neuen Oberst „Auwi“ Hofmeister und den neuen Schießwart Friedrich Hufelschulte. Am 1. Januar hat der Verein 310 Mitglieder. Auf dem Galaappell des Offizierskorps am 16.06. stiftet König Gustav Ebbinghaus eine neue kleine Königskette, die alte schwere Kette soll nur noch bei hochoffiziellen Anlässen getragen werden müssen. Ehrenpräsident Karl Ebbinghaus überreicht dem neuen Oberst einen Hirschfänger, der ihm zu seiner Zeit als Oberst vom Regiment geschenkt worden war.

Festtage sind der 18. bis 21.06.. Der neue König Heinz Quellenberg und an seiner Seite Irmgard Mielke als Königin „regieren“ die Kamener Schützen. Zu diesem Fest prangt das Rathaus zum ersten Mal nach dem Krieg im offiziellen städtischen Fahnenschmuck. Der bisherige König Gustav Ebbinghaus übernimmt als Major das Kommando über das 1. Bataillon. Vorgänger Karl Reimer steht dem Hofstaat beim Fest als Hofmarschall vor. Nachfolger von Gustav Ebbinghaus als Hauptmann der

  1. Kompanie wird Erich Hünerbein, der dieses Amt kommissarisch schon seit 1961 versehen hatte. Paul Felske übernimmt das Kommando über das 2. Bataillon, die Leitung der 3. Kompanie erhält Alfred Holtmann.

1966 Im Juli nehmen die Sportschützen an einem internationalen Wettbewerb in Ängelholm teil. Während ihres Aufenthaltes in Schweden werden sie vom schwedischen König Gustav VI. Adolf mit Handschlag begrüßt.

Am 17. September auf dem Königsball überreicht der Waffenschmied Max Berger dem amtierenden König einen eigenhändig angefertigten Ehrendegen. Es ist der Beginn einer Tradition, derzufolge der ehemalige König diesen Ehrendegen auf dem Königsball seinem Nachfolger weitergibt.

1967 Wieder ist Schützenfestjahr. Das Fest wird auf die Tage vom 14.07. bis 17.07. gelegt. Beim Gala-Offiziersappell vor dem Fest begrüßt die Vereinsspitze die Sport-Schützen des Schießklubs aus Kamens Partnerstadt Ängelholm in Schweden, an der Spitze ihr Präsident Åke Lindblom. Die Schweden bereichern das Fest und nehmen auch am Festzug teil. Lothar Heinrichsmeyer übernimmt den Vorsitz im WSB-Schützenkreis Kamen, später in Unna-Kamen umbenannt.

Das neue Königspaar Gerd und Marianne Muermann wird als letztes nach alter Tradition auf dem Königshügel in der Schützenheide proklamiert. Es soll 3 Jahre lang amtieren, weil man das nächste Fest wegen des 150jährigen Jubiläums erst 1970 feiern will. Bei der Proklamationszeremonie wird der Ehrentrunk in einem Silberpokal kredenzt, den das Ehepaar Hofmeister 1963 dem Verein gestiftet hat. Schauplatz der Polonaise ist nicht der Alte Markt sondern der Schulhof der Falkschule in der Nähe des heutigen Neumarktes, wo das Festzelt steht. Die musikalische Begleitung des Festes führen das Werksorchester Haus Aden, der Spielmannszug Heil und das Freie Fanfarencorps Kamen durch.

König Gerd und Königin Marianne eröffnen neue Traditionen. In der Weihnachtszeit besuchen sie mit einer Schützenabordnung das städtische Altersheim und bewirten die Senioren mit Kaffee und Kuchen. In den Erinnerungsorden dieses Königspaares an der Königskette ist zum ersten Male auch der Name der Königin eingraviert.

Nach längerer Unterbrechung findet in diesem Jahr wieder ein Kinderschützenfest statt (8. Juli). Burkhardt Seewald eröffnet eine neue Königsreihe. Der Kinderkönig trägt seitdem eine Kette mit den Erinnerungsmedaillen der einzelnen Kinderkönigspaare.

1968 Karl Reimer wird wieder zum 2. Vorsitzenden gewählt. In diesem Jahr findet der traditionelle Königsball statt. Wieder einmal Bangen um die Schützenheide. Doch Verkaufspläne müssen erfreulicherweise nicht realisiert werden. Wegen der 3-Jahresspanne zwischen den Festen 1967 und 1970 will die 1. Kompanie nicht auf ein Vogelschießen verzichten und begründet eine eigene Tradition mit einem Kompaniekönigsschießen.

1969 Lothar Heinrichsmeyer wird von der Generalversammlung als Jugendleiter bestätigt. Die 2. Kompanie richtet wieder ein Karnevalsfest bei Tillmann aus. Ende September trifft sich das Regiment zu Biwak und Kinderschützenfest bei Düfelshöft in Südkamen.

1970 Jubiläumsjahr. Am 1. Januar 277 Mitglieder. Die Generalversammlung wählt Gerd Muermann zum 1. Schriftführer als Nachfolger von Robert Blankenstein. Wechsel in den Kompanieführungen: Gerd Muermann wird auch Hauptmann der 2. Kompanie, Albert Höpner führt nun die 4. Kompanie an Stelle von Theo Herrmann. Das Jubiläumsfest bereitet ein Festausschuß unter Xaver Quante vor. Weitere Mitglieder sind Karl Ebbinghaus, Gustav Ebbinghaus, August Wilhelm Hofmeister, Gerd Muermann und Fritz Schultebraucks. Aus Anlaß des Festes wird ein Jubiläumsfestbuch herausgegeben, in dem der Lehrer und Schützenkamerad Fritz Sälzer eine zusammengefaßte Vereinschronik und einen Beitrag zur Stadtgeschichte vorlegt.

Die Entwürfe für die Werbeplakate, die Titelseite des Festbuches und das Festabzeichen fertigt die Künstlerhand

von Herbert Gerdes. Das Festprogramm erstreckt sich über 9 Tage. Die Festrede der Eröffnungsveranstaltung am 21. Juni in der Konzertaula hält Landrat Jürgen Girgensohn. Darin weist er dem Schützenverein für die Zukunft die gesellschaftspolitische Aufgabe zu, Neubürger der Stadt zu integrieren und eine Stätte moderner Freizeitgestaltung zu sein. Im Verlauf des Festaktes überreicht der Schützenverein, als ältester Heimatverein sich berufen fühlend, dem Schirmherrn des Jubiläumsfestes, Bürgermeister Friedhelm Ketteler, eine prachtvoll gestaltete Bürgermeisteramtskette. Chor und Orchester des Kamener Gymnasiums unter Leitung von Dr. Terschluse sorgen für die musikalische Umrahmung.

Am 23. Juni findet ein Großer Heimat-und Schützenabend im Zelt auf dem Neumarkt statt, zu dem insbesondere die befreundeten Vereine eingeladen sind. Hausfrauennachmittag, Gala-Offiziersabend der Kamener Schützenvereine und Jugendtanz schließen sich an den folgenden Tagen an.

Das eigentliche Fest vom 26. bis 29. Juni nimmt den traditionellen Verlauf. Höhepunkte sind der Zapfenstreich zwischen den Kirchen mit dem Spielmannszug Nordbögge und der Bergkapelle Monopol, dann das Vogelschießen in der Schützenheide, aus dem Heinz Bachmann als Jubiläumskönig hervorgeht. Königin an seiner Seite ist Ehefrau Maria. Vor dem Schießen zelebrieren Geistliche beider Konfessionen vor den Schützen einen feierlichen Feldgottesdienst. Damit wird eine neue Tradition geschaffen. Diese Feier eröffnet bis heute jedes Vogelschießen. Der geplante große Festumzug mit 22 Vereinen und 30 Fahnenabordnungen muß allerdings wegen starken Dauerregens abgesagt werden. Er wäre der größte in der bisherigen Vereinsgeschichte gewesen. Jedoch kann wenigstens die Polonaise wieder auf dem Markt stattfinden. Für festliche Ballmusik sorgt das Musikkorps der 7. Panzergrenadierdivision unter Leitung von Major Uhlemann.

Auch die Sportschützen treten mit eigenen Jubiläumsveranstaltungen auf. Die Stadtmeisterschaften werden ausgerichtet, ebenso ein offenes Schießen, ein Jubiläumspokalschießen und ein Pokalschießen Ängelholm ­Kamen. Der Bürgermeister ehrt die Sieger.

In diesem Jahr beginnt die 3. Kompanie mit einer Tradition, jährlich einen Kompaniekönig auszuschießen. Das ereignisreiche Jahr klingt aus mit der Bewirtung der Senioren im Altersheim mit Kaffee und Kuchen durch das neue Königspaar.

1971 Die Jahreshauptversammlung wählt Gustav Ebbinghaus zum 2. Vorsitzenden. Das Feiern kommt auch in diesem Jahr nicht zu kurz: Karnevalsfest, Hofball bei König Bachmann, Biwak auf der Besitzung von Gerd Muermann (Ponderosa) in Overberge, Königsball bei Bergheim. Am 23. September stirbt im Alter von fast 71 Jahren Ehrenpräsident Karl Ebbinghaus.

1972 Zu Jahresanfang 325 Mitglieder. Wieder wird vom 28. bis 31.07. ein Schützenfest nach alter Tradition gefeiert. Gustav Schmidt gelangt zu Königsehren, seine Frau Annemarie wird Königin. Erste Amtshandlung der neuen Majestät während des Königinnenfrühstücks: Vorgänger Heinz Bachmann ernennt er zum Major und Kommandeur des 2. Bataillons. Beim

Festzug gefällt dem Publikum besonders ein 70 Mann starkes Musikkorps der englischen Garnison in Werl. Die Polonaise findet wieder auf dem alten Markt statt. Königin Annemarie stiftet in ihrer Regentschaftszeit die 2. Königinnenschärpe. Der Kronprinz des Festes, Henner

Pätzold, stiftet eine Kronprinzenkette.

1973 01.01.: 353 Mitglieder. Die Generalversammlung nimmt eine neue Satzung an und wählt Wilhelm Erger zum 1. Geschäftsführer. Ein Festausschuß unter Heinz Bachmann führt erstmalig einen Rosenmontagsball durch. Besondere Attraktion ist die Stiftung des Vereinsordens „Kömscher Bleier“, der an Kamener Bürger verliehen werden soll, die sich um das gesellschaftliche Leben in der Stadt besonders verdient gemacht haben. Als 1. Träger wird Herbert Heitfeld, der Vorsitzende des Heimat-und Verkehrsvereins, dekoriert. Dabei auf dem Rosenmontagsball auch Prinzenpaar und Prinzengarde des Karnevalsvereins „Blau-Weiß Bergkamen“. Im Sommer findet ein Ausmarsch zum Schützenfest in Hopsten statt, dem Heimatort des amtierenden Königs. Höhepunkt im Herbst ist der Königsball, der erstmals im Foyer der Konzertaula veranstaltet wird. Zur

Vorweihnachtszeit besucht das Königspaar wieder die Senioren, wobei König Gustav höchstpersönlich mit eindrucksvollem Baß einige Lieder vorträgt. Die Kamener Sportschützen unterliegen im Vergleichskampf den Ängelholmer Sportschützen.

1974 01.01.: 374 Mitglieder. Peter Jäger wird 1. Jugendleiter. Wieder findet ein Rosenmontagsball statt. Mit dem „Kömschen Bleier“ ehrt der Verein Hans Thiemann, den langjährigen Vorsitzenden des VfL Kamen. Zu den Vorbereitungsveranstaltungen zum Schützenfest gehört auch ein Biwak auf der Ponderosa in Overberge. Diese Besitzung von Gerd Muermann ist in den kommenden Jahren noch häufiger Schauplatz von Regiments-und Kompanieveranstaltungen.

Der Zapfenstreich zum Fest am 17.05. bringt eine einmalige Ausnahme von üblichem Ritual. Das beteiligte

Luftwaffenmusikkorps darf das Musikstück „Der Große Zapfenstreich“ bei Schützenfesten nicht aufführen, sondern nur bei staatlichen Anlässen. Statt dessen erklingt ein Schützenhalali. Zum letzten Male rahmen die beiden Kirchen diesen feierlichen Festakt zu Ehren der scheidenden Majestäten ein. Beim Vogelschießen am 18.05. gibt Bürgermeister Ketteler den Ehrenschuß ab. Den Königsadler erlegt Adolf Saarbeck, seine Frau Ingrid steht ihm als Königin zur Seite. Das Festzelt des Zeltverleihers Kracht aus Bochum ist an der Weißen Straße aufgebaut. Die Sportschützen sind wieder einmal in Ängelholm, können jedoch den Wanderpokal im Vergleichsschießen nicht gewinnen. Er bleibt in Schweden.

1975 21.02. Generalversammlung: Gustav Ebbinghaus wird zum 1. Vorsitzenden gewählt. Heinz Weltermann ist kurzzeitig 1. Sportwart, im Herbst übernimmt Klaus Lenz diese Aufgabe.

Rosenmontagsball: Bürgermeister Friedhelm Ketteler wird 3. Träger des Ordens „Kömscher Bleier“. Im September stellt Oberst August Wilhelm Hofmeister sein Amt zur Verfügung. Das Offizierskorps wählt Gustav Ebbinghaus zu seinem Nachfolger. Die Schützen danken „Auwi“ Hofmeister mit der Verleihung des Titels „Ehrenoberst“.

Auf dem Königsball im November wird der bisherige Vorsitzende Xaver Quante für seine Verdienste mit der Kölner Medaille des Deutschen Schützenbundes ausgezeichnet.

1976 20.02. Die Generalversammlung wählt Gerd Muermann zum 1. Vorsitzenden. Rosenmontagsball: der bekannte Kamener Rechtsanwalt und Mitglied der 3. Kompanie Dr. Josef Weskamp erhält als 4. Träger die Auszeichnung „Kömscher Bleier“.

Veränderungen im Regiment: Heinz Werner Mork übernimmt als Hauptmann die 1. , Heinz Quellenberg die 2.

Kompanie. Erich Hünerbein ist nun Major und Kommandeur des 1. Bataillons. Zum Schützenfest vom 11. -14.06. läßt sich der Festausschuß etwas Besonderes einfallen. Es erscheint eine eigene Festzeitschrift. 1. Schriftführer Karl Kemna (Nachfolger von G. Muermann) ist auch ihr Redakteur (bis 1982), der bekannte Journalist Otto Birkefeld arbeitet mit. Von nun an wird zu jedem Fest eine Festzeitung herausgegeben, in der nicht nur Festinformationen, sondern auch Beiträge zur Geschichte des Schützenvereins Kamen und seiner Feste veröffentlicht werden. Der Königsschuß des Festes gelingt dem begeisterten Schützen Theo Wilking, Gattin Hildegard wird Königin. Dieser Königsschuß macht Vereinsgeschichte, 1123 Schuß waren nötig, den stolzen Holzvogel zur Strecke zu bringen.

1977 Die Generalversammlung bestimmt Peter Petersen zum 1. Schriftführer. Dieter Lambrecht übernimmt die Jugendgruppe. Den Rosenmontagsball in der Konzertaula verläßt Stadtdirektor Fritz Rethage als 5. Träger des Ordens „Kömscher Bleier“.

Kinderschützenfest, Regimentsbiwak und Königsball sind weitere erwähnenswerte Ereignisse des Jahres. König

Theo und Königin Hildegard besuchen behinderte Kinder. Zu vermelden ist der Beginn einer Partnerschaft, die lange Jahre Bestand haben wird. Der Verein knüpft über die 1. Kompanie Kontakte zu einer Instandsetzungsausbildungskompanie der Bundeswehr in Königsborn. Im September nehmen die Schützen an einem Gästeschießen der Bundeswehr in Dortmund-Buschey teil.

1978 Die Generalversammlung bestätigt Heinz Rabe als 1. Sportleiter. Schon wieder ein neuer Jugendleiter: Karl-Heinz Kranz, er stirbt 1980 mit nur 37 Jahren. Das Schützenfest im öffentlichen Teil beginnt mit dem Zapfenstreich am 19.05. und endet mit dem Festausklang am 22.05.. Vor dem Fest wird eine bereits schon früher übliche Zeremonie absolviert: es findet eine Vogeltaufe statt. Die noch amtierende Königin Hildegard Wilking tauft den Königsadler auf den Namen „Theo von Lodz“. Ein populärer Schlager dieses Jahres und Ehemann und König Theo sind die Paten. Der Zapfenstreich muß erstmals an den Koppelteich an der Doppelturnhalle verlegt werden. Künftig wird er nur dort stattfinden. Der Vogel fällt am

  1. Mai unter Blitz und Donner. Der letzte Schuß stammt von Wilhelm Erger, seine Frau Ingrid wird Königin. Im Festzug wird, wie seit Jahren üblich, ein Kanonenwagen mitgeführt. Kanonier ist der unvergessene Albert Schneider.

Im Oktober nimmt der Verein am Westfälischen Schützentag in Warendorf teil. Für die Teilnehmer ein

unvergeßliches Erlebnis, den Festzug in der prächtig geschmückten historischen Stadt mitmachen zu können. Die 4. Kompanie eröffnet eine eigene Tradition. Durch Pfeilwerfen ermittelt sie bei ihrem Oktoberfest eine Kompaniekönigin.

Am 05.12. stirbt der langjährige Vogelbauer und Kommandeur des 1. Bataillons Erich Hünerbein.

1979 Rosenmontagsball: zum 6. Male wird der Orden „Kömscher Bleier“ vergeben, neuer Träger ist der Pädagoge und bekannte Dirigent Karl Mank sen.. Das Jahr schließt mit einem Mitgliederstand von 344.

1980 Veränderungen im Regiment: Heinz Quellenberg wechselt von der Spitze der 2. Kompanie als Major in die Führung des 1. Bataillons. Neuer Hauptmann der 2. Kompanie wird Werner Rolff. Der Journalist Gerd Schirrmeister tritt in die Redaktion der Festzeitschrift ein. Er berichtet stets über die Ereignisse der vergangenen 2 Jahre und hält eine Festrückschau (bis 2000). Die Planung sieht die Tage vom 16. -19.05. für die Feier des Schützenfestes vor. Beim Galaoffiziersappell vor dem Fest ernennt der amtierende König Wilhelm Erger den Ehrenvorsitzenden Xaver Quante namens des Vorstandes zum Ehrenpräsidenten. Vogeltaufe: Der Vogel erhält den Namen „Oberst Gustav“.

Das neue Königspaar heißt Henner Pätzold und Hildegard Herkendell. Erstmals wird in diesem Jahr mit einer alten Tradition gebrochen. Statt in einem Festzelt findet das Fest in der Doppelturnhalle am Koppelteich statt. König Henner und Königin Hildegard nehmen eine ältere Tradition wieder auf und besuchen in der Weihnachtszeit das Seniorenzentrum.

1981 Veränderungen im Vorstand bringt die Generalversammlung vom 08.05.. Ulrich Beier wird 1. Geschäftsführer, Walter Herkendell 1. Schriftführer. Ralf Becker wird als 1. Sportleiter bestätigt. Die Jugendgruppe leitet jetzt Norbert Redenz (bis 1986).

Im Juni feiert man gemeinsam Regimentsbiwak und Kinderschützenfest. Der Königsball im Herbst bleibt durch die beliebte Tanzcombo unter Paul Adass in guter Erinnerung.

1982 Erwin Klus tritt in die Redaktion der Festzeitschrift ein. Er wird in den nächsten Jahren (bis 1990) auch deren gesamte Organisation übernehmen. Das diesjährige Schützenfest wird mit der Vogeltaufe eingestimmt. Königin Hildegard tauft das hölzerne Federvieh auf den Namen „Don Alberto“, ein prophetischer Vorgang, wie sich zeigen wird. Das Vogelschießen am 22. Mai entscheidet nämlich der Hauptmann der 4. Kompanie, Albert Höpner, für sich. Schon beim Zug in die Schützenheide zum Schießen zog er alle Blicke des Publikums auf sich, denn hoch zu Pferde war in Kamen schon lange kein Schütze mehr durch die Stadt geritten.

Albert Höpner und seine Königin Gerda Pillach gehen als „Blumenkönigspaar“ in die Vereinsgeschichte ein. Beim Festzug durch Kamen verteilen die beiden 1000 Blumensträußchen aus der Königskutsche. Beim Schützenfestkehraus tritt der bekannte Sänger Wolfgang Sauer auf. Im Juli nimmt das Regiment am Festzug zum 375jährigen Bestehen der Schützenbruderschaft St. Johannes Baptist Neheim 1607 teil, ein unvergeßliches Erlebnis.

1983 Auf dem Kostümfest im Februar wird Oberst Gustav Ebbinghaus 7. Träger des Ordens „Kömscher Bleier“. Beschlüsse der Generalversammlung: Auf Betreiben von König Albert Höpner werden ein Bauausschuß und ein Förderkreis für den Umbau der Schützenheide eingesetzt. Mit einer großzügigen und zukunftsweisenden Planung soll unser Traditionsbesitz für die nachkommenden Schützengenerationen erhalten werden. Die Vereinsmitglieder

werden dafür gewonnen, unentgeltlich Arbeitsstunden oder Spenden für das großartige Werk zu leisten. Der Umbau beginnt im Sommer. Die Generalversammlung bestätigt Franz Meuser als 1. Sportleiter. Die Sportschützengruppe gewinnt Auftrieb.

Erstmals wird ein Trimmschießen für die ganze Bevölkerung durchgeführt. Nach einer Zeit unfruchtbarer

Jugendarbeit wird Norbert Redenz 1. Jugendleiter (bis 1986). Im Sommer Ausmarsch zum Schützenfest des Bürgerschützenvereins Arnsberg. Unser Königspaar und sein Hofstaat erhalten viel Beifall für ihr Auftreten.

Höhepunkt des Jahres ist der große Königsball in der Doppelturnhalle, bei dem im volkstümlichen Rahmen mit der Kapelle Egerland unter Kapellmeister Conny Dellner rund 1000 Gäste mit unserem Königspaar feiern. Ende des Jahres gehören dem Verein 326 Mitglieder an.

1984 Die Generalversammlung faßt am 11.02. wichtige Entscheidungen: Per Satzungsänderung werden die Ämter eines Schatzmeisters, eines Koordinators für die Vorbereitung von Veranstaltungen und eines Liegenschaftsverwalters eingeführt. Die Hauptfeldwebel der 4 Kompanien gehören zukünftig zum erweiterten Vorstand. Die Wahlen bringen neu in ihre Ämter: 1. Geschäftsführer Heinrich Bachmann,

  1. Schatzmeister Ulrich Beier, 1. Schriftführer Siegfried Zapf, 1. Koordinator Erwin Klus. Die Hälfte der Grundfläche der Schützenheide geht aus dem Eigentum der Stadt Kamen in das des Schützenvereins über. König Albert Höpners Regentschaft neigt sich dem Ende zu. Seine Sammelaktion der „guten Taten“ zu Gunsten von Behindertenorganisationen und des Sozialfonds des Bürgermeisters haben 23.515 DM erbracht. Die Summe

wird am 14.05. im Sitzungssaal des Rathauses in Anwesenheit des Bürgermeisters und des Stadtdirektors übergeben. Die neue Vogelstange, vom amtierenden König gestiftet, vom Schützenbruder Elmo Deuse erbaut, wird beim

Schützenfest eingeweiht, das erstmals an 2 Wochenenden vom 25.05. bis 03.06. stattfindet.

Das Vogelschießen auf den „Heideadler“ (zur Erinnerung an den im Gange befindlichen Umbau der Schützenheide) bringt uns mit Ralf Becker einen Mitternachtskönig. Zur Mitregentin befördert er Ulrike Jäger. Der Umbau der Schützenheide geht zügig voran. Beim Feuerbiwak am 17.03. wird das angefallene Altholz und

Gestrüpp unter der Aufsicht der Kamener Feuerwehr in Gegenwart von etwa 500 Gästen verbrannt. Weitere Etappe: Einweihung der neuerbauten Kegelbahnen und Übergabe an den Mieter, den Verein Kamener Sportkegler, am 17.08.. Für die Sportschützen wird eine moderne Achtbahnenschießanlage errichtet. Höhepunkt des Jahres ist die Gesamteinweihung am 06.10., verbunden mit einem Vogelschießen. Die Tageskönigswürde erringt Rosi Gehrmann als „Heidekönigin“. Albert Höpner wird zum „Ehrenbauleiter auf Lebenszeit“ proklamiert. 29 Schützen, die jeweils bis zu 1500 freiwillige Arbeitsstunden geleistet haben, werden geehrt. Bemerkenswert zu dem Umbau der Schützenheide: trotz Gesamtkosten von 670.000 DM brauchen keine

Mitgliedsbeiträge zur Schuldentilgung eingesetzt werden. Die Gastronomie in der großzügig eingerichteten Gastwirtschaft übernehmen Adolf Eudenbach und Frau. Ein Regimentsappell zum Jahresausklang am 30.11. bringt noch ein paar Neubesetzungen auf Regimentsposten:

Heinz Werner Mork wird Major und Kommandeur des 1. Bataillons, die Führung der 1. Kompanie übernimmt an seiner Stelle Franz Harringhaus. Zum Major und Kommandeur des 2. Bataillons wird Albert Höpner ernannt, seine Nachfolge als Hauptmann der 4. Kompanie tritt Walter Herkendell an.

1985 Die Generalversammlung wählt Brigitte Schultebraucks zur 1. Geschäftsführerin. Erwin Klus wird für seine Verdienste um die Großveranstaltungen, Ulrich Beier wegen seiner Verdienste um den Umbau der Schützenheide mit der goldenen Vereinsnadel ausgezeichnet. In der Schützenheide eröffnet unter schattigen Bäumen ein Biergarten.

1986 Die Generalversammlung bestimmt Albert Höpner zum Liegenschaftsverwalter. Brigitte Schultebraucks übernimmt die Leitung der Frauengruppe der 2. Kompanie.

Das Schützenfest wird für die Zeit vom 30.05. bis 02.06. geplant. Wolfgang Freese tritt in die Redaktion der Festzeitschrift ein. Er bringt vereinsgeschichtliche Beiträge. Der in einer im Stadtarchiv wiederentdeckten Urkunde aus dem Gründungsjahr 1820 genannte Oberst Julius Ohswaldt wird Taufpate für den Königsadler des Jahres. Ihn erlegt nach zähem Wettkampf Hans-Joachim Caspari. Mit seiner Frau Barbara an der Seite bilden sie ein Königspaar mit Herz und Charme. Vorläufig zum letzten Male steht in der Stadt ein Festzelt (am Postpark).

 

In diesem Jahr weihen die Schützen im Gesellschaftszimmer der Schützenheide einen Erinnerungsschrank ein, in dem Fotos der Erinnerungsplaketten der Königskette oder der gewesenen Königspaare ihren Ehrenplatz finden. Die Idee dazu hatte Erwin Klus, Ausführung Karl Heinz Blaschke (Holzarbeiten) und Hermann Gerdes (Bemalung). Der 20. September sieht die Kamener Schützen in der Schützenheide als Gastgeber des ersten neu eingerichteten Kreiskönigsschießens von WSB-Schützenvereinen aus dem Kreis Unna.

1987 Am 1. Januar zählt der Verein 336 Mitglieder. Außer dem traditionellen Biwak mit Kinderschützenfest wird der Königsball gefeiert. Bemerkenswert: Teilnahme am Europaschützenfest in Lippstadt, bei dem auch die Sportschützen beachtliche Erfolge erzielen. Seit November erleichtert eine Lautsprecheranlage in der Schützenheide den Ablauf von Veranstaltungen.

1988 Nach Jahren der Stagnation und Bedeutungslosigkeit beginnt sich die Jugendgruppe zu konsolidieren, Marlies Meuser übernimmt bis 1991 die Leitung. Ein neuer Fahnenschrank wird seiner Bestimmung übergeben. Ausführung der Holzarbeiten Karl Heinz Blaschke, Bemalung Franz Pusch. Wechsel in Kompaniespitzen: Karl-Heinz Möcking leitet nun die 4., Jochen Schultebraucks die 2. Kompanie. Königin Barbara Caspari stiftet ein neues Königinnendiadem.

 

Das Schützenfest findet wieder an 2 Wochenenden statt (27.05. bis 05.06.). Der Adler „Sindbad“ (Funkername des Königs Hans-Joachim Caspari) ist das begehrte Ziel der Schützen. König wird Dirk Ebbinghaus, seine Frau Gabi die Königin, ein Königspaar aus der traditionsreichsten Familie des Kamener Vereins. Zu Ehren des alten und neuen Königspaares findet ein Königinnenkonzert mit der Trachtenkapelle Harmonie aus Oberachern im Schwarzwald statt, das begeistert aufgenommen wird. 100 Kamener Senioren sind speziell zu dem Konzert eingeladen. Höhepunkt ist der große Festabend in der Sporthalle unter dem Motto „Vom Schwarzwald bis zur Waterkant“, bei dem die Trachtenkapelle Waldulm (Schwarzwald) und das Stimmungssängerduo Klaus & Klaus mitwirken.

1989 Die Generalversammlung überträgt Ralf Becker das Amt des 1. Koordinators. Werner Rolff übernimmt als Major die Führung des 1. Bataillons. Im Oktober wird 1. Vorsitzender Gerd Muermann mit dem Ehrenkreuz in Bronze des Deutschen Schützenbundes ausgezeichnet.

1990 Albert Höpner wird von der Generalversammlung zum 2. Vorsitzenden gewählt. Er tritt die Nachfolge von Franz Willeke an, der dieses Amt lange Jahre innehatte. Peter Hollendung tritt in die Redaktion der Festzeitschrift ein, sein Part ist die redaktionelle Arbeit und die graphische Gestaltung (bis 2002).

Wieder wird das Schützenfest an 2 Wochenenden gefeiert (18.05. -28.05.). Königsadler des Festes erhält den Doppelnamen „Karl-Gustav“. Großvater Karl und Vater Gustav der amtierenden Majestät trugen vor 50 bzw. 25 Jahren die Königswürde. Bei diesem Fest gelangt schließlich Werner Rolff zu Königsehren, der seine Frau Edeltraud zur Königin wählt, das Königspaar aus Kamens 5. Viertel. Auch dieses Mal klingt es schwarzwälderisch: 2 Trachtenkapellen sorgen für musikalischen Genuß. Das Königinnenkonzert mit den Schwarzwäldern im Festzelt in der Schützenheide begeistert die Zuhörer. Beim großen Festabend in der Sporthalle tritt der Musikstar Tony Marshall auf. Der Kehraus des Festes wird von Erwin Klus als Dorfabend im Grünen inszeniert und findet viel Beifall. Mit dabei die „Heartbreakers“, eine stadtbekannte Kamener Band.

Wachwechsel in der 1. Kompanie: Robert Miebs wird neuer Kompanieführer.

Hohe Auszeichnung für Oberst Gustav Ebbinghaus, er erhält das Ehrenschild des WSB.

1991 Der Verein zählt 301 Mitglieder. Die Jugendgruppe wählt Ralf Weber zu ihrem Leiter (bis 1993). Die Satzung wird überarbeitet, das Amt des Koordinators entfällt. Die Generalversammlung nimmt am 01.03. die Änderungen an. Helmut Schultze wird mit der Führung der 3. Kompanie beauftragt. Ralf Weber wird zum 1. Jugendleiter gewählt (bis 1993).

König Werner Rolff schlägt im Mai dem Verein die Einführung eines Ärmelwappens mit dem Vereins-Logo für die Schützenröcke vor. Ein Musterentwurf wird im Februar 1992 einstimmig angenommen. Die Lieferung ist für die Generalversammlung 1992 vorgesehen.

1992 Die Generalversammlung wählt Hans-Joachim Caspari zum 1. Schatzmeister.

Zur Feier des Schützenfestes geht man wieder zur alten Regelung zurück: nur 1 Wochenende (19. -22.06.). Den Vogel „Julius“ (Namensgeber ist Julius Rolff, Großvater des Königs und aktiver Schütze) erlegt Peter Hollendung.

Königin an seiner Seite wird Rosi Gehrmann. Der passionierte Seemann und Schütze und die engagierte Sportschützin bilden ein ideales Königspaar. Der frisch gewählte neue Bürgermeister Kamens, Manfred Erdtmann, übernimmt die Proklamation der neuen Majestäten. Ort der Festlichkeiten ist die neuerbaute Stadthalle am neuen Rathaus. Königin Rosi stiftet in ihrer Amtszeit eine neue Königinnenschärpe.

Im Juli empfangen die Kamener Schützen Gäste vom Bürgerverein aus Kamens Partnerstadt Unkel mit einem Preisschießen.

1993 Am 1. Januar gehören 283 Mitglieder dem Verein an. Die Sportschützen wählen Christian Langhorst zum 1. Sportleiter.

Klaus Gube übernimmt den Vorsitz des Festausschusses (bis 2004, nach dem Fest wird der Festausschuß aufgelöst). Durch Vertrag mit der Stadt Kamen erwirbt der Verein ab 17.03. das restliche Grundstück der Schützenheide. Am 24.09. stirbt der 1. Vorsitzende Gerd Muermann (geb. 1927), seit 1976 im Amt. Das Ableben dieses über die Vereinsgrenzen hinaus beliebten und geachteten Schützen hinterläßt eine große Lücke.

1994 Nach langer Dienstzeit legt Oberst Gustav Ebbinghaus sein Amt nieder. Am 07.01. ernennt der amtierende König Peter Hollendung auf einem Regimentsappell den bisherigen stellvertretenden Oberst Heinrich Bachmann zum neuen Oberst. Gustav Ebbinghaus wird wegen seiner Verdienste und seines treuen Einsatzes zum Ehrenoberst ernannt.

Am 25.02. wählt die Generalversammlung Albert Höpner zum neuen 1. Vorsitzenden als Nachfolger für den verstorbenen Gerd Muermann. Neuer 2. Vorsitzender wird Dieter Grundmann. Die Jugendgruppe gibt bekannt, daß sie Andreas Juhlke zum neuen 1. Jugendleiter gewählt hat (Nachfolger von Ralf Weber). Im April übernimmt Major Klaus Dönecke das Kommando über das 2. Bataillon von Albert Höpner. Er wird dessen letzter Kommandeur sein.

Der Königsadler des Jahres erhält bei der Taufe den Namen „Jakob“ (nach dem Vater des Königs). Das Schützenfest findet vom 03. bis 06.06. statt. Vor dem Zapfenstreich am 03.06. wird vor dem angetretenen Regiment Egon Pöhler als 8. Träger die Vereinsmedaille „Kömscher Bleier“ von Oberst Heinrich Bachmann verliehen. Egon Pöhler hat sich u.a. als Vorsitzender des Heimat-und Verkehrsvereins und als Vorsitzender des Oratorienchores der Stadt Kamen bleibende Verdienste um das gesellschaftliche Leben in der Stadt erworben. Während des Vogelschießens begeistert Siegfried Zapf die Zuschauer als „Reporter von Radio Blau-Weiß“ mit der packenden Kommentierung der Endphase im Ringen um die Königswürde. Auch bei folgenden Festen ertönt seine Reporterstimme.

Das Vogelschießen entscheidet Joachim Schultebraucks für sich. Mit seiner Frau Brigitte repräsentiert auch wieder ein aktives Schützenkönigspaar den Verein. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte erringt mit Simone Schluckebier eine Frau eine der Insignien des Vogels, den Reichsapfel.

Kamener Schützen nehmen erfolgreich am Schießwettbewerb auf dem Europa-Schützenfest in Medebach teil. Die Luftgewehrmannschaft erringt den 3., die Luftpistolenmannschaft den 5. Platz. Im Herbst endet vorläufig die alte Tradition, daß jede Kompanie selbständig den Schlußappell als Abschluß des Schützenfestjahres begeht. Erstmals finden sich alle 4 Kompanien zu einem großen rauschenden Fest zusammen. Am 24. September ist die Schützenheide Schauplatz der Fahnenweihe und des 1. Vogelschießens der neugegründeten Märker Schützengemeinschaft aus Aplerbeck; mit der MSG verbindet das Schützenregiment Kamen seitdem eine tiefe Freundschaft.

Der Festausschuß unter dem Vorsitz von Klaus Gube beginnt mit den Vorbereitungen zum 175jährigen

Jubiläumsfest.

1995 Jahr des 175jährigen Jubiläums. Der Verein hat z. Z. 290 Mitglieder. Karl Heinz Blaschke übernimmt kommissarisch die Führung der 1.Kompanie. Klaus Gube wird im März von der Generalversammlung als Pressewart gewählt. Er folgt Gerd Schirrmeister nach. Zum Jubiläum gibt der Verein ein vielbeachtetes Festbuch heraus mit einer Vereinschronik (Wolfgang Freese), aktuellen Beiträgen (Gerd Schirrmeister) und einem Abriß der Stadtgeschichte (Stadtarchivar Hans-Jürgen Kistner). Die Gestaltung des Buches übernimmt Peter Hollendung. Außerdem wird ein Festabzeichen geprägt. Am 15. Juni veranstalten alle 4 Kompanien einen gemeinsamen Frühschoppen.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten finden vom 8.-10. September statt. Sie werden mit einem Festakt in der Kamener Stadthalle eröffnet, an dem etwa 500 Gäste teilnehmen. Der Schirmherr, Bürgermeister Manfred Erdtmann, lobt, daß die Vereinsarbeit zur Lebensqualität und Attraktivität der Stadt Kamen beiträgt. Der Präsident des Westfälischen Schützenbundes, Walter Ungemach, nennt in seiner Laudatio 3 Säulen des Vereinslebens der Kamener Schützen: Traditionspflege, Schießsport und Jugendarbeit. Er ehrt den Verein mit der Ehrenplakette des WSB. Die Musikschule der Stadt Kamen sorgt für eine stimmungsvolle musikalische Umrahmung der Feierstunde. Am 9. September findet ein Volkskönigsschießen statt, bei dem auch Nichtvereinsmitglieder beiderlei Geschlechts teilnehmen können. Silvia Becker, junge Schützin von der befreundeten Märker Schützengemeinschaft aus Dortmund-Aplerbeck, erlegt den Königsvogel „Gerd“ (Pate: der verstorbene 1. Vorsitzende Gerd Muermann). Den Abschluß des Festprogramms bildet am 10.09. ein Jazz-Frühschoppen der Classic Jazz Company in der Schützenheide.

Ein Höhepunkt im Jubeljahr: der Königsball in der Stadthalle am 30. September. Dabei ernennt Oberst Heinrich

Bachmann Karl Heinz Möcking zu seinem Stellvertreter. Große Ehre: Bundespräsident Roman Herzog verleiht dem Schützenverein Kamen von 1820 e.V. die Sportplakette des Bundespräsidenten für die über 100jährige Pflege und Entwicklung des Schießsports in der Vereinsgeschichte. Bürgermeister Manfred Erdtmann überreicht die Auszeichnung am 22. November im Rathaus.

Im Oktober nimmt das Regiment am Westfälischen Schützentag in Lünen teil. Erstmals in der Vereinsgeschichte wird mit Simone Schluckebier (1. Kompanie) ein weiblicher Kompaniefeldwebel gewählt.

1996 Holger Thielsch wird 1.Sportleiter. Wieder Schützenfestjahr. Die scheidenden Majestäten wählen Sohn Kai zum Paten des Schützenvogels. Vom 7. bis 10.06. wird das Fest gefeiert. 9. Träger des „Kömschen Bleiers“ wird Bürgermeister Manfred Erdtmann für seine Verdienste im jetzigen Amt und zuvor als Kulturausschußvorsitzender. Der WSB ehrt Albert Höpner mit der „Kölner Medaille“ für sein erfolgreiches aktives Wirken für die Schützensache. Das Vogelschießen entscheidet der Getränkegroßhändler Heinz Dieter Grundmann für sich. Gemeinsam mit Ehefrau Elke erhält der Verein wiederum ein engagiertes Königspaar.

Der Verein nimmt am Europa-Schützenfest im niederländischen Haaksbergen teil. Bei den Schießwettbewerben erringt die Mannschaft einen 1. Platz und in den Einzelwertungen einen 1. (Christiane Latzke) und einen 2. Platz (Christian Freese). Die Führung der 4.Kompanie geht von Karl Heinz Möcking wieder auf Walter Herkendell über. Seit September führt Oliver Schütz kommissarisch die Jugendgruppe.

Am 2. Oktober übergibt Oberst Heinrich Bachmann auf einem Regimentsappell die Regimentsführung an Karl Heinz Möcking. Dieser ernennt Joachim Schultebraucks zum Major und zu seinem Stellvertreter.

Ab Oktober leitet Franz Meuser kommissarisch die Sportschützengruppe. 1997 Die 1. Kompanie beruft Karl Heinz Blaschke zu ihrem Hauptmann. Franz Meuser übernimmt die Leitung der Sportschützengruppe (Wahl). Die Sportschützen stiften den Gerd­Muermann-Gedächtnis-Pokal. Die Jugendgruppe erhält mit Holger Thielsch einen neuen 1. Jugendleiter.

Auf der Generalversammlung Ende Februar stellt König Dieter Grundmann eine neue kleine Königskette vor, die er mit Rudi Wegner entworfen hat. Sie ersetzt die kleine Kette, die König Gustav Ebbinghaus 1965 gestiftet hatte. Der Platz auf dem Außengelände der Schützenheide wird so umgestaltet, daß auf ihm 1998 die Polonaise am Festsonntag stattfinden kann. Erfolgreiches Jahr für die behinderte Sportschützin Christiane Latzke: 2 mal Deutsche Meisterin. Bürgermeister Erdtmann ehrt sie mit der Sportplakette der Stadt Kamen. Außerdem wird sie zur Sportlerin des Jahres 1996 der Stadt Kamen gewählt. Lothar Heinrichsmeyer erhält beim Schützentag in Emsdetten die Ehrenmitgliedschaft im WSB-Präsidium.

1998 Als erstes Mitglied des Schützenvereins Kamen wird Wolfgang Freese am 16. Mai beim Vogelschießen in Methler König des WSB-Schützenkreises Unna-Kamen.

Schützenkönigsehren gewinnt beim „nassen“ Fest vom 5. bis 8. Juni Bruno Lanowski („Regenkönig”). Er schießt „Albatros“ ab, den Namen hatte zuvor Königin Elke Grundmann dem diesjährigen Königsvogel gegeben. Er sollte den Verein symbolisch sicher ins neue Jahrtausend befördern. An Brunos Seite regiert seine Frau Anneliese. Vor dem Vogelschießen war Johannes Beule, Pfarrer der katholischen Gemeinde Kamen, als 10. Bürger mit dem „Kömschen Bleier“ dekoriert worden. Er hat sich um seine Gemeinde, die Schützen und die Ökumene in Kamen verdient gemacht. Beim Fest spielten Schwarzwälder Musikanten aus Oberachern auf. Der Festzug fällt wegen Regens aus. Werner Mast übernimmt von Walter Herkendell die Führung der 4. Kompanie (bis Ende 2006, er ist deren letzter Hauptmann). Wieder Erfolge für Christiane Latzke, u.a. Weltmeister-und Vizeweltmeisterin, 2 mal Deutsche Meisterin. In Kamen wird sie zum zweiten Mal Sportlerin des Jahres (für 1997).

1999 Der Verein führt am Jahresanfang 318 Mitglieder. Die 1.Kompanie erhält einen neuen Chef: Peter Hollendung folgt am 5. Februar Karl Heinz Blaschke nach.

Führungswechsel im Verein, die Generalversammlung wählt am 26.02. Dieter Grundmann zum 1. Vorsitzenden. Sein Vorgänger Albert Höpner wird Ehrenvorsitzender und wird für seine außergewöhnlichen Verdienste mit dem WSB-Orden „Westfalenstern an der lippischen Rose“ geehrt, er ist damit in Kamen der 1.Träger dieser hohen Auszeichnung. Noch eine Ehrung für ihn: Auf dem Königsball am 9. Oktober zeichnet ihn der WSB mit der Silbernen Präsidentenplakette aus.

Das Jahr der Katastrophe: am 25. November brennt das Schützen-und Heimathaus bis auf die Grundmauern nieder. Schon 5 Tage später beschließt der Vorstand den Wiederaufbau. Im Herbst bildet der Vorstand dazu einen Bauausschuß. Ihm gehören an: Dieter Grundmann, Albert Höpner, Brigitte Schultebraucks, Hans-Josef Wolter, Hans-Joachim Caspari und Siegfried Zapf.

2000 25.01. Wechsel in der Leitung der Sportschützengruppe. Franz Josef Meuser übergibt an Andreas Steinsiek.

 

Beim Gala-Appell vor dem Schützenfest zeichnet der WSB am 24. Mai Ehrenoberst Heinrich Bachmann mit der Kölner Medaille und Ehrenoberst Gustav Ebbinghaus mit dem Ehrenzeichen in Gold aus (WSB-Ehrenzeichen in Gold und Silber werden erst seit 1996 verliehen). Dem langjährigen Pressewart und Redakteur der Festhefte Gerd Schirrmeister wird für seinen Einsatz mit einer Ehrenurkunde gedankt. Neuer Träger des Kömschen Bleiers ist seit dem Zapfenstreich-Abend (26.05.) der engagierte Pädagoge Willy Groß. Den Vogel des Festes hatte Königin Anneliese Lanowski symbolhaft für den Wiederaufbau der Schützenheide „Phönix“ getauft. Ihn erlegt am 27. Mai bei kalter, stürmischer Witterung Ferdinand Potocki („Sturmkönig“), der mit Ehefrau Helga zum neuen Königspaar proklamiert wird. Erstmals in der Vereinsgeschichte gibt es mit Heike Ross eine Kronprinzessin. Sonnenschein, Sturm und Regen begleiten den Festsonntag. Die Polonaise fällt aus.

Als Stamm-Verein des letzten Kreiskönigs richtet der Verein das diesjährige Kreiskönigsschießen am 16.

September in der Schützenheide aus. Neuer Kreiskönig wird Friedrich Deifuß vom SV Methler.

Im November beginnen die Ausschachtungsarbeiten für den Neubau des Schützen-und Heimathauses. Wegen

Grundwasseranfalls ist erhöhter Aufwand im Kellergeschoß nötig.

Wieder ein Erfolgsjahr für Christiane Latzke: Sie erringt eine Silbermedaille bei den Paralympics in Sydney. Bei ihrer Rückkehr am 1. November wird sie auf dem Markt von ihren Schützen und der Bevölkerung mit großem Applaus empfangen und gefeiert.

2001 Die Bürgermeister Manfred Erdtmann von Kamen und Roland Schäfer von Bergkamen und 1. Vorsitzender Dieter Grundmann setzen gemeinsam am 8. Februar bei der Grundsteinlegung in der Schützenheide eine Urne samt einer Urkunde und einem Exemplar des Chronik-Heftes von 1995 in das Mauerwerk ein. Schon am 12. April wird das Richtfest gefeiert. Am 6. Dezember übergeben die beiden Architekten Dieter Asche und Dieter Rummeld den Schlüssel des neuen Schützen-und Heimathauses dem 1. Vorsitzenden, der dann dem neuen Pächter-und Wirte-

Ehepaar Nowak und Dragana Plavšić den Betrieb übergibt.

Die Jugendgruppe wählt im Februar eine neue Leitung: Marlies Meuser löst den 1. Jugendleiter Holger Thielsch ab. Die 2. Kompanie wählt einen neuen Kompanieführer. Jochen Schultebraucks übergibt sein Amt an Hauptmann Klaus Gube. Wolfgang Freese übernimmt von K. Gube die Aufgabe des Pressewarts. Auf dem Kreisdelegiertentag in Barop zeichnet WSB-Vizepräsident Klaus Stallmann den Chronisten Wolfgang Freese mit dem WSB-Ehrenschild aus.

Die 4. Kompanie gerät in die Schlagzeilen. Bei ihrem Oktoberfest-Vogelschießen wird das erste Mitglied türkischer

Abstammung Zülküf („Zülle“) Sönmez Kompaniekönig.

2001 wieder ein Christiane-Latzke-Jahr. Bundespräsident Johannes Rau verleiht ihr die höchste staatliche Sportauszeichnung, das Silberne Lorbeerblatt. Sie erringt wieder deutsche und Europa-Meistertitel. Am Jahresende hat der Verein 301 Mitglieder.

2002 Die Schützenheide ist wieder komplett: Am 5. Januar wird das Schützen-und Heimathaus mit einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vorgestellt und alle Anlagen zur Nutzung freigegeben. Darunter sind 12 Schießbahnen nach DSB-Anforderungen und 5 Bundeskegelbahnen, beide Anlagen sind mit vollelektronischen Auswertesystemen ausgestattet. Im Januar übernimmt Christian Langhorst von Andreas Steinsiek wieder die Leitung der Sportschützengruppe. Heike Ross leitet kommissarisch die Jugendgruppe, sie löst Marlies Meuser ab.

Beim Abschiedsappell wird am 11. Mai die vom scheidenden Königspaar gestiftete neue Königsbildergalerie feierlich enthüllt. Christian Langhorst und Wolfgang Freese hatten diese zuvor neu recherchiert und ergänzt. Der Gala-Appell am 29. Mai eröffnet intern das Schützenfest. Dabei wird Franz Pusch mit der Kölner Medaille des WSB geehrt, und Siegfried Zapf erhält für seine langjährige Vorstandsarbeit das WSB-Ehrenzeichen in Silber. Vor dem Vogelschießen am 01.06. wird mit Thea von Barany erstmals eine Frau mit dem Kömschen Bleier ausgezeichnet. Damit würdigt der Verein ihre jahrzehntelange, ehrenamtliche Seniorenarbeit. Der Vogel „Heinrich“ (Pate ist Ehrenoberst Heinrich Bachmann) fällt dem Sohn des Paten zum Opfer. Norbert und Marianne (Mary) Bachmann sind das neue Majestätenpaar.

Die Frauengruppe der 2. Kompanie feiert ihr 40jähriges Bestehen.

Auf dem Schützentag in Ennigerloh dekoriert WSB-Präsident Klaus Stallmann den 1. Vorsitzenden Dieter

Grundmann für herausragende Verdienste mit dem Ehrenkreuz des Deutschen Schützenbundes in Bronze.

Die Ausnahmesportlerin des SV Kamen, Christiane Latzke, sammelt weiter Weltmeistertitel. Mit 4 Goldmedaillen kehrt sie von der Weltmeisterschaft in Südkorea heim und wird schon auf dem Flughafen in Frankfurt von einer Abordnung gebührend empfangen.

2003 Rainer Eckmann übernimmt als letzter Hauptmann die Führung der 3. Kompanie. Die Jugendgruppe wählt Heike Ross zur Leiterin. Am 14.04. zeichnet der Sozialverband Deutschland den Verein für behindertengerechtes Bauen in der neuen Schützenheide mit einer Plakette aus. Drei verdiente Mitglieder erhalten hohe WSB-Auszeichnungen: Werner Rolff und Theo Wilking die Kölner Medaille,

Klaus Gube das Ehrenschild.

 

Die Sportschützen begehen mit einer Feierstunde das 100jährige Jubiläum. Aus diesem Anlaß wird der Heidepokal gestiftet, der regelmäßig ausgeschrieben und ausgeschossen wird. Beim Kinderschützenfest des Jahres erringt mit Katharina Knoblauch erstmals ein Mädchen die Majestätenwürde.

Am 28. September stirbt Ehrenoberst August Wilhelm Hofmeister.

2004 Kai Schultebraucks übernimmt das Amt des 1.Schatzmeisters, er wird auch zum 1. Kassierer des Schützenkreises Unna-Kamen gewählt (kommissarisch bereits seit 2003, bis 2010).

Eine Änderung im Vereinsleben: Der Osterdämmerschoppen, den bisher die 4. Kompanie ausrichtete, geht von nun an in die Regie des Regiments über. Letzter Führungswechsel in der 1. Kompanie: Reiner Seidel löst Peter Hollendung ab. Christian Freese tritt in die Festheft-Redaktion ein. Sein Arbeitsschwerpunkt ist Layout, Titelseite, Bearbeitung der Werbung. Auch Christiane Latzke wirkt in diesem Jahr mit.

Am 1. Mai ist der Bürgerverein Unkel zu Gast, zu dessen Vergnügen ein Vogelschießen stattfindet. Heinrich Richarz aus Unkel wird Maikönig. Zu WSB-Ehren gelangt Brigitte Schultebraucks. In Anerkennung ihrer langjährigen erfolgreichen Vereinsarbeit überreicht ihr WSB-Präsident Stallmann das Silberne Ehrenzeichen. Der Kronprinz von 2002, Klaus Gube, stiftet eine neue Kronprinzenkette.

Die Vogeltaufe für das Schützenfest findet nicht mehr in der Werkstatt des Vogelbauers Karl Heinz Blaschke statt, sondern jetzt und zukünftig in der Schießhalle der Schützenheide. Taufpate des Adlers „Manfred“ ist Altbürgermeister und „Ehrenjungfrau“ der Frauengruppe Manfred Erdtmann. Beim Gala-Appell wird Schießmeister Rudi Wegner mit der Kölner Medaille des WSB ausgezeichnet. Der scheidende König Norbert Bachmann stiftet einen neuen Pokal für den Königstrunk während der Proklamation. Änderung im Festablauf: Nach der Kranzniederlegung am Donnerstag erklingt der Große Zapfenstreich. Am Freitagabend, am 17. Juni, „bebt die Schützenheide“ bei einer Musik-und Tanzparty. Vor dem Vogelschießen am nächsten Tag wird der Stadtarchivar Hans-Jürgen Kistner mit dem Kömschen Bleier geehrt. Seine Hilfe kam dem Vereinschronisten besonders bei der Rekonstruktion der Vereinsgeschichte zugute. Den Adler „Manfred“ erlegt Hans-Josef Wolter, Königin an seiner Seite wird Ehefrau Karin.

Am 17. August stirbt Ehrenoberst Heinrich Bachmann.

2005 Am Jahresbeginn zählt der Verein 292 Mitglieder. Heike Ross übergibt im Februar die Leitung der Jugendgruppe an die neu gewählte 1. Jugendleiterin Manuela Szallnaß (seit Dezember 2007 Scholz). Der Osterdämmerschoppen findet mit über 500 Besuchern einen starken Anklang.

Beim WSB-Bezirksdelegiertentag, den der SV Kamen in der Kamener Stadthalle ausrichtet, wird Klaus Dönecke mit der Kölner Medaille, Oberst Karl Heinz Möcking mit dem Ehrenzeichen in Silber und Jochen Schultebraucks mit dem Ehrenschild dekoriert. Bei der vorausgegangenen Tagung des Bezirksvorstandes hält Wolfgang Freese einen Vortrag über das Schützenwesen in Kamen, der viel Interesse und Anerkennung findet.

Im September berät eine Mitgliederversammlung über Veränderungen im Vereinsleben, die durch Struktur und Mitarbeitserfordernis der Mitglieder notwendig werden. Es werden Ideen gesammelt. Das Oktoberfest des Jahres leidet unter schwacher Beteiligung besonders der Vereinsmitglieder. Erstmals findet eine gemeinsame Weihnachtsfeier aller 4 Kompanien in der Vereinsgaststätte der Schützenheide statt, eine würdige und gelungene Feier.

2006 Die Generalversammlung am 3. März beschließt eine außerordentliche Versammlung zur Entscheidung über die Vereinsneugliederung. Die findet am 10. November statt und beschließt auf Grund einer Vorstandsvorlage die Auflösung der 2 Bataillone und 4 Kompanien.

Auf einem Kaffee-und Kuchen-Nachmittag der Frauen im Verein wird deren neue Schützenkleidung vorgestellt. Ende März wählen die Delegierten des Schützenkreises Unna-Kamen Hermann Szallnaß zum 1. Kreis-jugendleiter (bis 2008).

Am 22. April werden die beiden restaurierten bzw. rekonstruierten Vereinsfahnen von 1885 und 1891 mit einem Festakt unter Beteiligung der Geistlichen beider christlichen Konfessionen und in Anwesenheit zahlreicher Fahnenabordnungen befreundeter Vereine neu geweiht.

König Hans-Josef Wolter tauft den Königsvogel des Jahres auf den Namen Johannes zu Ehren des verstorbenen katholischen Pfarrers und Trägers des „Kömschen Bleiers“ Johannes Beule. Der Gala-Appell ist Anlaß für Ehrungen. Christiane Latzke kann wieder 2 Gold-und eine Bronze-Medaille aufweisen, die sie bei den Weltmeisterschaften der behinderten Sportschützen in der Schweiz erkämpft hatte. Die Frauengruppe präsentiert sich im neuen „outfit“. Vor dem Zapfenstreich wird am 10. August Werner Krüger für seine ehrenamtliche Sozialarbeit mit dem „Kömschen Bleier“ ausgezeichnet. Der Vogel fällt am 12. August durch einen gut gezielten

Schuß von Klaus Gube. Er bewahrt das Regiment vor einem Traditionsbruch durch die Verhinderung eines „Kaisers“ bzw. der ersten Schützenkönigin von eigener Hand, denn Rosi Gehrmann schießt als erste Frau bis zum Schluß mit. Klaus Gube gesellt sich Ehefrau Astrid als Mitregentin bei.

Der WSB ehrt Karl Heinz Blaschke, Heinz Habermann und Helmut Wittkugel für ihr Lebenswerk als Schützen mit der Kölner Medaille. Zum Jahresabschluß gibt es wieder eine Weihnachtsfeier für alle Mitglieder, eine neue Tradition entwickelt sich.

2007 Die Neugestaltung des Vereinslebens nimmt zum Jahresbeginn Gestalt an. Die Kompanien tagen zum letzten Mal. Zur Information der Mitglieder und zum geselligen Beisammensein wird ab 25.Januar ein regelmäßiger Stammtisch eingeführt (1 Mal pro Quartal). Die Organisation übernehmen Christian Langhorst und Hans-Josef Wolter. Diese Neuerung findet reges Interesse.

Am 4. August findet erstmalig ein Regimentsbiwak statt, das mit dem Kinderschützenfest und der Ermittlung eines Tagesbiwakkönigspaares verbunden wird. Tageskönig und Tageskönigin werden getrennt auf einer elektronischen Schießanlage mit einem besonderen Modus bestimmt. Die Titel erringen Anneliese Lanowski und Uli Helpenstein.

Höhepunkt des Jahres ist der glanzvolle Königsball am 27. Oktober, zu dem zahlreiche Gäste und befreundete Vereine erscheinen. Die Freunde aus Unkel präsentieren als Gastgeschenk einen schweren Basaltstein mit den aufgemalten Wappen von Unkel und Kamen. Er findet in der Schießhalle seinen Platz. Ab November baut die Sportschützengruppe eine neue Sparte Bogenschießen auf, die von Gilbert Pöschke geleitet wird. Sie findet bald regen Zuspruch. Der Verein präsentiert sich mit einer neuen, professionell gestalteten Homepage im Internet. Ihr Schöpfer und Betreuer ist Christian Langhorst.

2008 Die Generalversammlung nimmt am 7. März die neue Satzung an. Danach gliedert sich der Verein in Regiment, Sportschützengruppe und Jugendgruppe. Statt des erweiterten Vorstandes wird ein Regimentsstab unter der Leitung des Obersts eingerichtet, der für den Traditionsbereich zuständig ist. Seine Mitglieder, auch der Oberst und sein Stellvertreter werden künftig von der Generalversammlung gewählt. Auch der amtierende König ist Mitglied dieses Gremiums. Die Stammtischabende ziehen die Mitglieder magnetisch an: gute Unterhaltung und Informationen aus erster Hand zeigen eine überraschend positive Wirkung.

Zur Stärkung des neuen Gemeinschaftsgefühls erstmals ein Ausflug für den ganzen Verein: Am 12. April starten 2 Busse, an Bord 80 Schützenschwestern und –brüder zur Besichtigung der Meyer-Werft nach Papenburg. Helle Begeisterung über den Tag und die Idee.

Anfang Mai wird die Außenanlage der Bogenschützen offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

Der Text des Regimentsliedes wird den Neuerungen angepaßt (Wolfgang Freese). Christian Langhorst teilt die schwere Königskette in 2 Einzelketten, die nur zur Proklamation des jeweiligen neuen Königs zusammengefügt werden. Für festliche Gelegenheiten trägt der König zukünftig nur die Teilkette mit den Erinnerungsmedaillen ab 1970.

Zum letzten Mal baut der bisherige Vogelbauer Karl Heinz Blaschke den stolzen Adler für das Schützenfest. Königin Astrid Gube tauft ihn zu Ehren des verstorbenen Ehrenschildmalers und Texters des Regimentsliedes Franz Pusch auf den Namen Franz. Beim Gala-Appell am 30. Juli wird Franz-Josef Meuser mit dem WSB-Ehrenschild und Helmut Schultze mit der Kölner Medaille geehrt. König Klaus Gube schmückt die noch aktiven ehemaligen Könige mit einer Schützenkrawatte, auf der eine Krone und die jeweilige Regentenzeit aufgestickt sind. Königin Astrid Gube zeigt sich zum ersten Mal mit der von ihr gestifteten neuen Königinnenschärpe. Der Tag des Vogelschießens ist der 2. August. Nach dem ökumenischen Gottesdienst im Festzelt zeichnen Oberst Möcking und 1. Vorsitzender Grundmann den stadtbekannten Polizei-Bezirksbeamten Bernhard Büscher mit dem Kömschen Bleier aus. Die Schlußphase des Vogelschießens ist an Dramatik kaum zu überbieten, weil der Rest von Vogel „Franz“ unerwarteterweise an einem Nagel hängt, der nur zur Fixierung in den Holzkörper getrieben worden war. Den Glücksschuß gibt schließlich Bernd Werner ab, der sich Ehefrau Ulla als Königin zur Seite stellt.

Höhepunkt des Schlußappells am 22.11. ist die Übergabe der auf einen Schild montierten Rekonstruktion des zerlegten Adlers „Franz“ an König Bernd Werner. Christian Langhorst und seine Helfer ernten für die mühevolle Puzzle-Arbeit viel Beifall.

2009 Die Frauen des Vereins ziehen am 28. und 29. März zum ersten Mal eine Kleiderbörse auf. Dort können alle Kleider und Zubehörartikel, die Schützendamen bei festlichen Anlässen benötigen, erworben werden. Die Aktion wird ein überraschend guter Erfolg. Premiere: Auf der Generalversammlung wird erstmals gemäß neuer Satzung der Oberst gewählt. Die Einstimmigkeit der Wahl für den bisherigen Amtsinhaber Karl Heinz Möcking ist ein überragender Vertrauensbeweis. Außerdem werden erstmals auch Vereinsmeister im Bogenschießen geehrt. Die Sportschützengruppe ist seit letztem Jahr von 58 auf 89 Mitglieder angewachsen. Besonders das Bogenschießen findet weitere aktive Anhänger.

Am 8. August findet wieder das Regimentsbiwak statt, auch wieder verbunden mit dem Kinderschützenfest und der Ermittlung eines Tagesbiwakkönigspaares. Tageskönig und Tageskönigin werden originell bestimmt, indem mit Pfeil und Bogen verschiedenfarbige Luftballons zu „erlegen“ sind. Die Titel erringen Walter Eckmann und die amtierende Regimentskönigin Ulla Werner.

Zum 2. Mal startet ein Vereinsausflug. Das Westfälische Freilichtmuseum in Detmold ist am 29. August das Ziel. Die historische bäuerliche Kultur und eine Pferdeschau finden reges Interesse bei den Teilnehmern. Auch dieser Ausflug bleibt in positiver Erinnerung.

Höhepunkt des Jahres ist der glanzvolle Königsball am 24. Oktober, zu dem zahlreiche Gäste und befreundete Vereine erscheinen. Die starke Unkeler Delegation überrascht mit 3 Königspaaren und der amtierenden Weinkönigin, die die Gäste mit einer Unkeler Weinspezialität zum Probieren animiert. Die Stammtischabende erfreuen sich wieder großer Beliebtheit.

Am 3. Dezember stirbt Gerd Schirrmeister, lanjähriger Pressewart und Redakteur unserer Festzeitschriften.

2010 Die 2. Kleiderbörse der Schützenfrauen am 6. und 7. März ist wieder ein voller Erfolg.

Im April wird das Mitglied unseres Vereins Jörg Hillenbach zum 1. Kassierer des Schützenkreises Unna-Kamen gewählt (bis 2011), er ist Nachfolger von Kai Schultebraucks.

Auftakt der Festlichkeiten zum bevorstehenden Schützenfest. Am 3. Juli tauft Königin Ulla Werner den Vogel auf den Namen „Manni“. Sie ehrt damit den im letzten Jahr gestorbenen Fahnenoffizier und Mitstreiter beim letzten Vogelschießen Manfred Scholz. Vogelbauer ist Franz Schulz aus Bergkamen. Beim Taufakt sind neben Bürgermeister Hermann Hupe auch die Bürgermeister aus Unkel, Gerd Hausen, und der polnischen Partnerstadt Sulecin, Michail Deptuch anwesend.

Gala-Appell am 28.07.: Hohe Auszeichnungen des WSB. Christian Langhorst und Marlies Meuser erhalten aus der Hand des Vorsitzenden des Bezirks Hellweg, Dieter Schmiedel, das Ehrenschild des WSB für ihre langjährigen Verdienste um den Schießsport. Erwin Klus wird mit der Kölner Medaille für seinen schützenlebenslangen Einsatz für den Verein geehrt. Diese Medaille erhält auch der altgediente Schütze Willi Emde, sie wird ihm während des Vogelschießens überreicht. Ein besonderer Glanzpunkt des Festes ist der Stargastabend am 30. Juli. Der Schlagerstar Ireen Sheer begeistert die Schützen und andere Fans. Vor Beginn des Vogelschießens am 31. Juli wird der Leiter des Evangelischen Posaunenchors Kamen mit dem „Kömschen Bleier“ ausgezeichnet. Dann geht es Vogel „Manni“ ans Gefieder. Aus dem spannenden Finale geht der erfolgreiche Sportschütze und einer der engagiertesten Schützen des Vereins Christian Langhorst als neuer König hervor. Gattin Gisela steht ihm als Königin in den nächsten 2 Jahren zur Seite. Auf der Gästeliste des Festes stehen die Schützenvereine aus Holzwickede, Südkamen, Königsborn, Methler, Bergkamen, Overberge, Lünen, Weddinghofen und Ostenfeldmark, die Märker Schützengemeinschaft aus Aplerbeck, der Bürgerverein Unkel und der Knappenverein „Kameradschaftliche Eintracht“ Kamen. Im Festzug am Sonntag marschiert zum dritten Mal nacheinander auch eine starke meist jugendliche Abordnung des Schützenvereins Brochdorf in der Lüneburger Heide mit. Zu dem Verein bestehen seit den 1980er Jahren freundschaftliche Kontakte. Einmalig ist die Beteiligung des Königspaares und des Hofstaates des Mendener Bürgerschützenvereins von 1604 am Festzug. Die Königin stammt aus Kamen und hat den Mendener Schützenkönig des Jahres 2010 geheiratet.

Auf dem Schlußappell am 16.10. wird mit der Übergabe der auf einem Holzschild befestigten Reste des Königsvogels „Manni“ an das neue Königspaar noch einmal auf das glanzvolle Schützenfest zurückgeblickt.

Die 4 Stammtischabende des Jahres verzeichnen wieder einen guten Besuch. Der Stammtisch hat sich damit als sehr erfolgreiche Einrichtung dauerhaft etabliert. Die traditionelle Weihnachtsfeier wird durch einen winterdörflichen Weihnachtsmarkt in der Schießhalle ergänzt.

2011 Der Verein hat am Jahresbeginn 293 Mitglieder. In der Sportschützengruppe sind zurzeit 136 von ihnen aktiv. Als Nachfolger von Kai Schultebraucks wählt die Generalversammlung am 11.März Jan-Henning Viol zum neuen 1. Schatzmeister.

Am 29. April wählen die Delegierten des Schützenkreises Unna-Kamen Jan-Henning Viol auch zum neuen 1. Kassierer des Schützenkreises Unna-Kamen.

Das schützenfestfreie Jahr ist das Jahr des Regimentsbiwaks, das am 27.08. wieder mit dem Kinderschützenfest verbunden ist. Das Tagesbiwakskönigspaar wird wieder mit Bogenschießen ermittelt. Der glückliche Sieger bei den Männern ist dieses Mal Thorsten Bergmann, ein Gast vom Schützenverein Südkamen. Bei den Damen hatte Simone Schluckebier die zielsicherste Hand.

Höhepunkt des diesjährigen Vereinslebens ist der glanzvolle Königsball, der am 22. Oktober die Stadthalle zum Schauplatz hat. Der Ball ist auch Kulisse für drei besondere Ehrungen des Westfälischen Schützenbundes, die der Vorsitzende des Schützenkreises Unna-Kamen Kurt Erdmann vornimmt. Kai Schultebraucks erhält das Ehrenschild für seine Arbeit im Vorstand des Schützenkreises. Brigitte Schultebraucks wird für ihre schon über 25 Jahre währender Einsatz als 1,Geschäftsführerin des Vereins und die Leitung der Frauengruppe mit dem Goldenen Ehrenzeichen dekoriert. 1.Vorsitzender Dieter Grundmann ist nun im Besitz der Kölner Medaille, die sein langjähriges erfolgreiches Wirken würdigt, insbesondere beim Wiederaufbau der 1999 abgebrannten Schützenheide.

2012 Das Schützenfestjahr startet mit der 3.Kleiderbörse. Der Erfolg des 3. und 4.März übersteigt noch das Ergebnis von 2010.

Der Schießsport blüht: Am Jahresanfang betreiben 154 ihn Vereinsmitglieder aktiv.

Mit einem gut besuchten Osterdämmerschoppen wird am 7. April der Winter ausgetrieben.

Am 10.Mai stirbt Erwin Klus, der sich durch zahlreiche gut organisierte Feste und als langjähriger Redakteur der

Festzeitschriften um den Verein verdient gemacht hat.

Die Frauengruppe feiert mit einem gelungenen Fest den 50sten Jahrestag ihrer Gründung in der 2.Kompanie. Nach der Auflösung Kompanien wird die Frauenarbeit nun auf Vereinsebene erfolgreich fortgeführt.

Startschuß zum Schützenfest: die Vogeltaufe am 14.Juli. Schützenbruder Werner Teschner erwies sich als künstlerisch begabter Vogelbauer. Königin Gisela ehrt mit den Taufnamen „Wilhelm Hubertus“ 2 treue Schützen, die mit dem Königspaar besonders verbunden sind: Wilhelm Langhorst, Sportschütze und Vater des Königs, und Hubert Andrys. Zudem hat Hubertus als Schutzpatron für Schützen und Jäger noch eine herausgehobene Bedeutung. Ehrengast bei der Zeremonie ist Kurt Erdmann, der 1.Vorsitzende des Schützenkreises Unna-Kamen.

Die „tollen“ Tage des Schützenfestes beginnen mit dem Gala-Appell, Anlaß für besondere Ehrungen und Beförderungen. Hohe Auszeichnungen des Westfälischen Schützenbundes überreicht Arnold Kottenstedde, Vorsitzender des WSB-Bezirks Hellweg. Für seinen Einsatz im Traditionsbereich erhält Walter Eckmann das silberne Ehrenzeichen, für das schützenlebenslange Engagement im Verein Ernst Blachowski die Kölner Medaille. „Herausragende Verdienste um das Schützenwesen“ waren Anlaß, den Chronisten Wolfgang Freese mit dem goldenen Ehrenzeichen des WSB auszuzeichnen. Diesjährige Attraktion der Schlagernacht im Festzelt ist als Stargast der Popschlagersänger Michael Wendler. Die Schützen und ihre Gäste sind begeistert.

Am Tag des Vogelschießens fällt ein überholtes Ritual: das frühmorgendliche Wecken und das gemeinsame

Frühstück. Im Festzug am Sonntag gibt es nur noch für das Königspaar eine Kutsche.

Vor dem Beginn des Vogelschießens am 4. August gibt sich der Verein die Ehre, Nis-Jürgen Bonde, den ehemaligen Leiter des Perthesheimes in Südkamen, für sein herausragendes soziales Wirken mit der traditionsreichen Vereinsmedaille „Kömscher Bleier“ zu dekorieren. Ende der königlichen Männerdomäne im Schützenverein Kamen: 5 Schützen und eine Schützin ringen im Finale um den Königsthron, und Marlies Meuser, erprobte Sportschützin, triumphiert. Sie setzt den entscheidenden letzten Schuß auf die Reste des Königsadlers und wird die erste Schützenkönigin der Vereinsgeschichte. Folge: Ihr zur Seite steht mit Richard Paulisch, ebenfalls erfolgreicher Schießsportler, auch der erste Prinzgemahl. Bedauerlicher Weise gibt er bereits nach gut 3 Wochen aus gesundheitlichen Gründen diese Ehre wieder auf. An seine Stelle tritt nun Franz-Josef Meuser, Ehemann der neuen Königin und ebenfalls verdienter Sportschütze.

Zum zweiten Mal erringt mit Klaas Viebahn am 25. August ein Sportschütze unseres Vereins beim Vogelschießen in Methler die Würde des Kreiskönigs des Schützenkreises Unna-Kamen. Beim Landeskönigsschießen am 13.10. in Stadtlohn belegt er einen hervorragenden sechsten Platz.

Der Schlußappell am 17. November setzte mit der Überreichung eines von Werner Teschner gestalteten Ehrenschildes mit den Resten des Königsvogels an die neue Königin einen würdigen Schlußpunkt unter ein herausragendes Jahr in der Geschichte der Kamener Schützen.

2013 Das Jahr beginnt mit einer traurigen Nachricht. Gustav Ebbinghaus, einer der aktivsten und hochverdientesten Mitglieder des Vereins stirbt unerwartet am 11.Januar. Zahlreiche hohe und höchste Ämter hatte er im Verein inne, darunter Schützenkönig 1963-1965 und Oberst 1975-1994. Schon am 28. April folgt ihm Gattin Marianne, Schützenkönigin seiner Seite, in den Tod.

Im Januar übergibt Brigitte Schultebraucks nach 27 Jahren die Leitung der Frauenarbeit im Verein an Edith Heinrich. Die Leitung der Jugendgruppe übernimmt Gabi Hellmann-Stolzki.

Die Generalversammlung am 8. März bringt einen umfangreichen Wachwechsel im Verein und Regiment. Zum neuen 1.Vorsitzenden wird Christian Langhorst gewählt, der bisherige Amtsinhaber Dieter Grundmann ist nun Ehrenvorsitzender. Seine Verdienste, besonders beim Wiederaufbau des abgebrannten Schützen-und Heimathauses werden mit der Verleihung des WSB-Ordens „Westfalenstern an der Lippischen Rose“ gewürdigt. Die Wahl zum neuen Oberst fällt auf Joachim Schultebraucks. Sein Vorgänger Karl Heinz Möcking trägt ab Juli den Titel „Ehrenoberst“.

Am 9. April stirbt Karl Heinz Blaschke, von 1951 -2008 Vogelbauer des Vereins.

Im April gibt der Vorstand Pläne zur Erweiterung der schießsportlichen Anlage auf der Schützenheide bekannt. Das Seniorenheim Haus am Nordberg in Bergkamen widmet einen Gemeinschaftsraum der Erinnerung an die alte Schützenheide. Der Schützenverein stiftet zur Ausschmückung Großkopien alter Fotos und eine Chronik der Schützenheide.

Beim Besuch einer Abordnung beim Vogelschießen des Bürgervereins Unkel werden unsere Mitglieder Klaus Osthaus (er schhoß den Vogel ab) und Claudia Heimbach für 1 Jahr neues Königspaar. Die Unkeler freuen sich.

Beim Biwak am 7. September, das mit einem Kinderfest verbunden ist, wird beim Bogenschießen Marvin Schluckebier Biwakkönig und Ulla Scholz Biwakkönigin.

Premiere beim glanzvollen Königsball am 19. Oktober in der Stadthalle. Die neue Vereins-und Regimentsführung präsentiert mit Marlies Meuser zum ersten Mal eine Schützenkönigin. Sie hütet nun den Ehrendegen.